Stellungnahme zum Israel-Palästina-Konflikt (12. August 2025)

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–aus aktuellem Anlass–

Als Christen und Demokraten protestieren wir entschieden gegen den immer weiter um
sich greifenden Antijudaismus und Antisemitismus in unserem Land und weltweit. Wir
wollen nicht schweigen und darin schuldig werden.

Man kann berechtigte und konstruktive Kritik üben an der Vorgehensweise der
israelischen Regierung um Ministerpräsident Benjamin Netanjahu – aber man sollte dabei
nicht vergessen, dass das Ziel der Terrororganisation der Hamas, der iranischen
Regierung, der Hizbollah im Libanon und der Huthi-Rebellen im Jemen darin besteht, den
Staat Israel zu diffamieren, zu boykottieren, zu dämonisieren, zu delegitimieren und
schließlich auszulöschen. Man versetze sich in die Lage der dortigen Regierung, der
Israelis, der Juden überall auf der Erde. Wie müsste die deutsche Regierung reagieren? –
Zur bisherigen Praxis der Bundesrepublik Deutschland, stets für das Existenzrecht des
Staates Israel einzutreten und dieses als Staatsräson zu verstehen, besteht keine
Alternative.

Der bekannte Nahost-Experte Jan Ross (›Die ZEIT‹) stellte kürzlich klar: Es ist eine
»Tatsache, dass der Weisheit und der Fairness internationaler Organisationen und
Institutionen beim Thema Israel nicht zu trauen ist. Gerade in Deutschland herrscht
weithin ein naiver Glaube an Stellungnahmen und Beschlüsse im Umkreis der Vereinten
Nationen, während dieses Milieu in hohem Grad gegen den jüdischen Staat politisiert ist.«

Man vergesse bei allen (Vor-) Urteilen und bei aller auch berechtigt erscheinenden Kritik
nicht den barbarischen Terrorakt der Hamas vom 7. Oktober 2023 sowie alle militärischen
Angriffe auf Israel aus arabischen Ländern: seit 1948 (!). Wie oft gab es Luftalarm-Alarm
in Israel, wie oft mussten Israelis Schutzbunker aufsuchen, wie viele Israelis mussten
evakuiert werden, wie viele sind Selbstmordattentaten muslimischer Extremisten zum
Opfer gefallen! Was macht all dies mit Menschen in einem Land so groß wie das
Bundesland Hessen, dessen Bevölkerung noch das Grauen der Shoah in sich trägt?
Man vergesse ebenso wenig, dass nach 1948 etwa 900.000 Juden in ihren arabischen
Heimatländern verfolgt und daraus vertrieben wurden.

Als unstrittig gilt: Die Versorgungslage der Palästinenser im Gaza-Streifen ist katastrophal
– aber wer ist dafür letztlich verantwortlich, wer übernimmt die Verantwortung? Kann
man´s Israel (zudem allein?) zuschieben und anlasten?
Der Gaza-Krieg ließe sich wahrscheinlich rasch beenden, wenn die Hamas-Kämpfer ihre
Waffen niederlegen und kapitulieren und wenn die Geiseln freigelassen sind. Wenn
Hilfslieferungen bei den notleidenden Menschen im Gazastreifen aufgrund internationaler
Kontrolle auch wirklich ankommen und nicht durch Hamas-Terroristen behindert oder ad
absurdum geführt werden.

Der Propaganda-Krieg der Hamas gegen Israel blendet und verfängt in Teilen auch die
westliche Welt, wenn sie ihr blauäugig ›auf den Leim‹ geht und Israel in einer Täter-Opfer-
Umkehr als allein Schuldigen an den Pranger stellt. Wie einseitig-polarisierend berichten
westliche Medien oft aus diesem Konflikt, wie hörig nehmen sie meisthin die von der
Hamas gesteuerten und genehmigten Informationen und Bilder auf. Wo bleibt die
Wahrheit? – Es geht der Hamas nicht um eine Zwei-Staaten-Lösung, bedeutete dies doch
die Anerkennung des Staates Israel, der ja vernichtet werden soll.

Israel nun als Apartheidsstaat zu brandmarken oder des Genozids zu bezichtigen und gar
zum Boykott israelischer Produkte aufzurufen, geht an der (juristischen) Definition vorbei
und stellt die Realität auf den Kopf. Israel durch pro-palästinensische Demonstrationen
auf Straßen und in Universitäten hierzulande und andernorts mit Hass und Hetze zu
bedrohen, kann nicht geduldet und muss dringend untersagt werden. Demonstrationen, in
denen offen zur Vernichtung Israels und zur Tötung von Juden aufgefordert wird oder
solches für gut gehalten wird, sind umgehend mit allen der Polizei zur Verfügung
stehenden Mitteln zu beenden. Universitätsleitungen sind dazu verpflichtet, gewaltsame
Angriffe gegen jüdische Studentinnen und Studenten sofort zu unterbinden und zu
ahnden, nicht zuletzt mit dem Mittel der Exmatrikulation. Mit freier Meinungsäußerung
hat das nichts zu tun.

Man beachte die Paragraphen 15 im Versammlungsgesetz, 86a im Strafgesetzbuch, 130 im
StGB (Volksverhetzung), in Art. 1 im Grundgesetz (wer zur Vernichtung eines Volkes
aufruft, verstößt gegen die Menschenwürde), in Art. 5 im GG (Grenzen der Meinungs-
freiheit).

Die Terrororganisation der Hamas (die in Deutschland verboten ist) braucht unsere
Solidarität nicht, wohl aber die missbrauchte Bevölkerung der Palästinenser, wohl aber das
Volk der Israelis. Es darf nicht angehen, dass es Juden in unserem Land wie auch
anderswo nicht mehr wagen, sich als Juden zu erkennen zu geben und ihren Glauben
auszuleben! Es darf ebensowenig angehen, alle Muslime unter Generalverdacht zu stellen!

Es ist wahrlich an der Zeit,
den Hamas-Machenschaften wo auch immer ein Ende zu setzen!

Wir protestieren gegen den Gaza-Krieg, gegen den Missbrauch von Männern, Frauen,
Kindern als menschliche Schutzschilde, gegen das Leid der Zivilbevölkerung, auch in
Israel. Wir erwarten in der Berichterstattung von allen Medien die gewissenhafte
Überprüfung ihrer Quellen, um ›fake news‹ zu verhindern.
Wir protestieren für das Existenzrecht des Staates Israel. Wir protestieren für alle
Menschen guten Willens auch seitens der Muslime auf ein Leben in Freiheit und Frieden.
Wir erwarten entschlossenes Handeln der Politiker im Sinne der Gerechtigkeit und von
den Kirchenführern den Einsatz für Verständigung und Versöhnung: auf dass tragfähige
Brücken gebaut werden!

Schweigen, Wegsehen, Zulassen ist nicht das Gebot der Stunde, sehr wohl aber: Aufstehen,
Auftreten, Widerstehen, Beten für den Frieden in Nahost.

Ettlingen-Schluttenbach, 12. August 2025
Erstunterzeichner: sieben Pfarrer aus der badischen Landeskirche


c/o Pfarrer em. Dr. Hans-Gerd Krabbe (Achern)