{"id":624,"date":"2021-01-21T20:40:10","date_gmt":"2021-01-21T20:40:10","guid":{"rendered":"http:\/\/bekenntnis.net\/?p=624"},"modified":"2021-03-26T14:45:50","modified_gmt":"2021-03-26T14:45:50","slug":"nein-es-geht-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bekenntnis.net\/?p=624","title":{"rendered":"Nein, es geht nicht!"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/bekenntnis.net\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/pfarrvereinsblatt_1-2021-Leserbrief.pdf\">Leserbrief Pfarrvereinsbl\u00e4tter 1\/2021<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein Leserbrief des Kollegen Gernot Spelsberg nimmt kritisch Bezug auf die Erkl\u00e4rung der Landessynode vom Oktober zur Begegnung von Christen und Muslimen. Damit wird indirekt die Diskussion zu verschiedenen Beitr\u00e4gen zu diesem Themenfeld, zuletzt in den Pfarrvereinsbl\u00e4ttern im Oktober aufgenommen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>m 21. Oktober hat die badische Landessynode die <strong>\u201eSynodale Erkl\u00e4rung zur Begegnung von Christen und Muslimen\u201c<\/strong> angenommen. <strong>Pfr. Theo Breisacher<\/strong>, Vorsitzender des Hauptausschusses und Mitglied der Vorbereitungsgruppe, kommentierte zufrieden die vorausgegangenen Beratungen einer sehr unterschiedlich besetzten Arbeitsgruppe: \u201eE s g e h t d o c h !\u201c ( idea 44\/2020 ). <strong>Pfr. i.R. Gernot Spelsberg<\/strong>, Beauftragter der Johannesgemeinde Ettlingen f\u00fcr Taufunterricht ( 2012\u20132019 ) und Betreuung von Konvertiten aus dem Islam, antwortet darauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Auftrag der Synode war eine kurzgefasste, die unterschiedlichen Positionen m\u00f6glichst integrierende Neufassung des stark in die Kritik geratenen <strong>\u201eGespr\u00e4chspapiers\u201c des Oberkirchenrates (im Folgenden: \u201eGP\u201c)<\/strong> zum christlich \u2013 islamischen Dialog. Der zentrale Satz darin war: <strong>\u201eWir glauben an denselben Gott\u201c<\/strong>. Er \u201egrundierte\u201c das ganze Papier. Es war zu hoffen, dass das von der Synode in Auftrag gegebene Folgepapier nicht lediglich die zutage getretenen Profile glatt schleift, sondern der Synode die M\u00f6glichkeit g\u00e4be, dar\u00fcber nun auch <strong>qualifiziert zu entscheiden<\/strong>. Es lagen zur Beratung sehr positive und sehr kritische Stellungnahmen aus Gemeinden und Bezirken und aus der Fachwissenschaft vor. Entsprechend waren auch die Pr\u00e4ferenzen in der parit\u00e4tisch besetzten Arbeitsgruppe vertreten. Dass es bei derart weit auseinanderliegenden Positionen dennoch m\u00f6glich war, aufeinander einzugehen und beieinander zu bleiben, ist verst\u00e4ndlicherweise mit Erleichterung auf allen Seiten wahrgenommen worden. Insofern verstehe ich den Ausruf: \u201eEs geht doch!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch mu\u00df ich dem entgegensetzen: <strong>\u201eNein, es geht nicht!\u201c<\/strong> Nach offenbar heftigen Beratungen zur Frage, ob wir mit den Muslimen an denselben Gott glauben, hat man sich auf den Kompromiss geeinigt, <strong>das sei eine offene Frage<\/strong>. Das wird in einem knappen Satz, den man fast \u00fcberlesen kann, geradezu beil\u00e4ufig mitgeteilt (S. 2 Synod. Erkl\u00e4rung). Aber <strong>an dieser Frage entscheidet sich alles<\/strong>. Und tats\u00e4chlich hatten alle strittigen Impulse des \u201eGespr\u00e4chspapiers\u201c hier ihre Wurzel und w\u00e4ren ohne die Behauptung, wir glaubten an denselben Gott, gar nicht denkbar gewesen. Verst\u00e4ndlich, dass um den <strong>Erhalt dieses Grundsatzes<\/strong> gek\u00e4mpft wurde, st\u00fcnde doch mit seinem Wegfall alles auf dem Spiel, was das GP gewollt hatte. Seine Beibehaltung aber h\u00e4tte starken Protest im Namen von \u201eSchrift und Bekenntnis\u201c ausgel\u00f6st. Der Kompromiss war der Ausweg aus diesem Dilemma. Bei der allseitigen Zufriedenheit \u00fcber die erreichte Harmonie \u00fcbersehen die Vertreter von \u201eSchrift und Bekenntnis\u201c freilich, dass das GP des Oberkirchenrates leider nicht von diesem selbst zur\u00fcckgenommen wurde und auch diese \u201eSynodale Erkl\u00e4rung\u201c keinerlei Distanzierung enth\u00e4lt. So bleibt es jedem unbenommen, mit dem GP und seinen Pr\u00e4missen in unserer Landeskirche munter weiterzuarbeiten, etwa als Grundlage f\u00fcr religionsp\u00e4dagogische Entw\u00fcrfe, interreligi\u00f6se Gottesdienste \u2026 usw. Kein Synodalbeschlu\u00df st\u00fcnde solchen Bestrebungen, etwa des Oberkirchenrates, entgegen. Und es ist zu erwarten, dass die Vertreter des GP ihre Agenda weiterverfolgen werden, nach dem Vorbild anderer Landeskirchen. Der n\u00e4chste Schritt, der sich nahelegt, w\u00e4re ein Verbot der Mission unter Muslimen, denn die w\u00e4re eine St\u00f6rung des friedlichen Miteinanders, und \u00fcberhaupt: \u201ewir glauben doch an denselben Gott\u201c. Und wenn das stimmt, sind dann nicht Taufen ehemaliger Muslime ein Affront gegen den christlich-islamischen Dialog, so wie ihn das GP versteht? Ich phantasiere nicht. Manches zeichnet sich bereits ab. Nein, wer in der Diskussion Schrift und Bekenntnis vertreten hat, kann nicht zufrieden sein damit, dass die Frage, ob wir an denselben Gott glauben, offengelassen wurde. Damit steht in Wahrheit auch die T\u00fcr zur weiteren Nutzung des GP und seiner irref\u00fchrender Meinungen weit offen. Im Hinblick darauf, dass das GP im Sommer 2019 nur \u201ezur Seite gelegt\u201c wurde, aber seine Gedanken nun jederzeit reaktiviert werden k\u00f6nnen, f\u00fcge ich <strong>einige grunds\u00e4tzliche theologische E i n w \u00e4 n d e<\/strong> an.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass wir an denselben Gott glauben ist ein <strong>urspr\u00fcnglich koranischer Gedanke<\/strong>. Mohammad sagt den \u201eSchriftbesitzern\u201c, also Juden und Christen: \u201eUnser Gott und euer Gott ist Einer\u201c (vgl. Sure 2, 163; 37,4; 112). \u201eund wir sind ihm ergeben (w\u00f6rtlich: Muslime).\u201c Das ist keine neutrale, auf Harmonisierung gerichtete Dialog-Aussage, sondern die Aufforderung, sich dem Einen zu ergeben, und das hei\u00dft, Muslim zu werden. Denn nur die Muslime bewahren die urspr\u00fcngliche Gottesoffenbarung, wie sieAbraham, der Ur- Muslim, empfangen und verk\u00fcndet hat. Die beiden anderen monotheistischen Religionen haben viel hinzugef\u00fcgt und weggelassen. Insofern wird schnell klar, wohin die interreligi\u00f6se Reise zu gehen hat: zu den \u201emuslimischen\u201c Wurzeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man sich als auf Frieden bedachter christlicher Theologe darauf einl\u00e4sst, \u00fcberl\u00e4\u00dft man den christlichen (wie den j\u00fcdischen) Glauben einer totalen Reduktion: Alles, was nicht \u201eabrahamisch\u201c d.h. islamisch ist, geh\u00f6rt nicht zur urspr\u00fcnglichen Gottesverehrung. Also wird bestritten: die Gottessohnschaft Jesu, sein Kreuzestod, sein stellvertretendes Leiden, seine Auferstehung vom Tod, die durch ihn erwirkte Vergebung und Erl\u00f6sung, seine Einheit mit dem Vater im Heiligen Geist; also fast das ganze Glaubensbekenntnis wird bestritten, bis auf den 1. Artikel \u2013 und in ihm wird \u201eVater\u201c gestrichen. <strong>Mit der \u00dcbernahme der koranischen \u00dcberzeugung vom Glauben an denselben Gott (Sure 2 und andere \u2013 s.o.) begibt man sich folglich per reductionem auf einen Abweg vom christlichen Bekenntnis.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die zus\u00e4tzliche (alternativllose) Empfehlung einer <strong>reziproken (wechselseitigen) Inklusivit\u00e4t<\/strong> hat diese Tendenz massiv verst\u00e4rkt, bedeutet sie doch die Aufforderung zur Selbstrelativierung des eigenen Glaubensbekenntnisses \u2013 und \u201efremde Wahrheiten\u201c zu integrieren. So wurde das GP zu einem <strong>\u201eDokument der Unterwerfung\u201c<\/strong>, wie es der moslemische (!) Islamwissenschaftler Dr.Ourghi bezeichnet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist wie beim Zukn\u00f6pfen einer Jacke, wenn schon der erste Knopf ins falsche Loch ger\u00e4t. Die anderen werden folgen. Und es ist zu fragen, wo denn das christliche Zeugnis \u201eeingebracht\u201c werden kann in dieser F\u00fclle von Abwehr. Beginnen wir den Dialog mit \u201eGOTT\u201c (wie es das GP und theologische Logik nahelegt), so ist <strong>unser Bekenntnis<\/strong>: In Jesus erf\u00fcllen sich alte, auch Abraham gegebene Prophetien. Deshalb blicken wir nicht nur auf den \u201eVater des Glaubens\u201c zur\u00fcck, sondern blicken m i t ihm \u2013 durch die Offenbarungsgeschichte des Volkes Israel hindurch \u2013 auf die un\u00fcberbietbare neue Offenbarung, die a l l e n V\u00f6lkern gilt (auch den arabischen, auch den muslimischen!): <strong>\u201eGott war in Christus und vers\u00f6hnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre S\u00fcnden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Vers\u00f6hnung.\u201c <\/strong>So erkennen wir GOTT. Hier er\u00f6ffnet sich ein gar nicht intellektueller sondern sehr existentieller Zugang zum christlichen Glauben \u2013 gerade auch f\u00fcr Muslime, die sich nach Gewissheit der Vergebung sehnen. Und deshalb werden wir ihnen \u2013 auch in einem schwierigen Dialog \u2013 so begegnen, dass sie verstehen : <strong>\u201eWir sind Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so b i t t e n wir nun an Christi statt: Lasst euch vers\u00f6hnen mit Gott!\u201c (2.Kor.5, 19.20).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>\u00dcbernahme aber der koranischen \u00dcberzeugung<\/strong> <strong>von dem Einen Gott<\/strong> in den drei monotheistischen Religionen f\u00fchrt von Anfang an tendenziell weg vom christlichen Glauben. Dem entspricht, dass das GP <strong>beginnt<\/strong> mit der Zitierung der \u201eFathia\u201c: \u201eIm Namen Allahs \u2026\u201c und dazu ausf\u00fchrt: <strong>\u201eAn ihr wird sich in hohem Ma\u00dfe der Wegverlauf im Gespr\u00e4ch unter Christen und Muslimen entscheiden.\u201c<\/strong> Und nach der dann folgenden Zitierung der \u201eShahada\u201c, dem moslemischen Bekenntnis \u201eEs ist kein Gott (Allah) au\u00dfer Gott (Allah), Mohammad ist Gottes (Allahs) Gesandter\u201c wird erkl\u00e4rt: <strong>\u201eVon diesen Grundlagen her ist ein weites Spektrum der Dialogfelder er\u00f6ffnet.\u201c So wird ganz klar: Auch die \u201eMatrix\u201c, die Vorlage f\u00fcr den Dialogweg, wurde im Koran gesucht und gefunden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Trias aus koranischem \u201eGrund \u2013 Satz\u201c, islamischer \u201eMatrix\u201c und \u201ereziproker Inklusivit\u00e4t\u201c geht eindeutig zu Lasten des christlichen Bekenntnisses. Das Ganze ist f\u00fcr sehr viele Christen in unserem Land und dar\u00fcber hinaus in der Welt\u00f6kumene ein A f f r o n t , der eher zur Abkehr als zum Mitgehen f\u00fchrt. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und f\u00fcr unsere T\u00e4uflinge aus dem Islam w\u00e4re es eine ganz schlimme Z u m u t u n g. Ihnen w\u00fcrde nahegelegt, Gott und Allah, die sie in tiefen, lebensver\u00e4ndernden Erfahrungen unter Lebensgefahr zu u n t e r s c h e i d e n gelernt haben, \u201ei n e i n s\u201c zu sehen. Damit w\u00e4ren sie wieder mit d e m konfrontiert, der f\u00fcr \u201eAbgefallene\u201c wie sie, den Tod befohlen hat. \u2013 Nach schlimmen Mobbing-Erlebnissen durch Muslime in den Heimen w\u00e4re das eine weitere Erfahrung, dass ihnen der Islam \u201enach Deutschland gefolgt\u201c ist !<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Eine von Schrift und Bekenntnis abirrende Weggemeinschaft mit Muslimen, bei der wir dar\u00fcber hinaus noch ermuntert werden, unser eigenes Bekenntnis, wenn n\u00f6tig, zu relativieren und fremde, auch gegens\u00e4tzliche \u201eWahrheiten\u201c zu \u00fcbernehmen, kann den Gemeinden mitsamt ihren Konvertiten von der Kirchenleitung nicht zugemutet werden. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die \u201eSynodale Erkl\u00e4rung\u201c h\u00e4tte in eigener geistlicher Verantwortung eine A b w e i s u n g formulieren m\u00fcssen. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>neue Synode<\/strong> kann hier ihr <strong>W\u00e4chteramt <\/strong>wahrnehmen, indem aus ihr heraus den vorhersehbaren Bestrebungen widerstanden wird, welche die oben genannte \u201eTrias\u201c weiterhin implementieren wollen: in religionsp\u00e4dagogischen Entw\u00fcrfen, dialogischen Projekten, Gottesdiensten, Events usw. Die neue Synode sollte nun aber auch <strong>die unbestreitbar wichtige Aufgabe des interreligi\u00f6sen Gespr\u00e4ches und des praktischen Miteinanders aus den Ressourcen u n s e r e s Glaubens neu aufgreifen und gestalten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gernot Spelsberg, Ettlingen<\/p>\n\n\n\n<p>erschienen in Pfarrvereinsbl\u00e4tter 1\/2021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leserbrief Pfarrvereinsbl\u00e4tter 1\/2021 Ein Leserbrief des Kollegen Gernot Spelsberg nimmt kritisch Bezug auf die Erkl\u00e4rung der Landessynode vom Oktober zur Begegnung von Christen und Muslimen. Damit wird indirekt die Diskussion zu verschiedenen Beitr\u00e4gen zu diesem Themenfeld, zuletzt in den Pfarrvereinsbl\u00e4ttern im Oktober aufgenommen. m 21. 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