{"id":420,"date":"2019-05-09T06:17:12","date_gmt":"2019-05-09T06:17:12","guid":{"rendered":"http:\/\/bekenntnis.net\/?p=420"},"modified":"2019-05-09T06:25:29","modified_gmt":"2019-05-09T06:25:29","slug":"kritische-rueckfragen-und-kommentare-des-islamwissenschaftlers-dr-carsten-polanz-in-form-eines-thesenpapiers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bekenntnis.net\/?p=420","title":{"rendered":"Kritische R\u00fcckfragen und Kommentare des Islamwissenschaftlers Dr. Carsten Polanz in Form eines Thesenpapiers"},"content":{"rendered":"\n<p>(Gutachten vom Februar 2019 im Auftrag des Ev.\nKirchenbezirks Pforzheim Land) <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>\u201eChristen und Muslime. Gespr\u00e4chspapier zu einer theologischen Wegbestimmung der Evangelischen Landeskirche in Baden\u201c <\/em><\/strong> <strong><em>(September 2018\u00b2)<\/em><\/strong> <\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/bekenntnis.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Dr.C.POLANZ_Febr.2019_Krit.Thesenpapier-betr.OKR-GP.pdf\">>> PDF-Download<\/a><\/h5>\n\n\n\n<p><strong><em>Vorbemerkungen<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Als Referent im kirchlichen Bildungsbereich und als Redaktionsleiter der zweisprachigen Zeitschrift \u201eIslam und christlicher Glaube\/Islam and Christianity\u201c habe ich mich in den letzten Jahren intensiv mit Fragen der christlich-muslimischen Begegnung und des Vergleichs aus christlicher Perspektive befasst. Das vorliegende Gutachten in Form eines Thesenpapiers konzentriert sich vor allem auf die im Gespr\u00e4chspaper (GP) skizzierten \u201eWegmarken im christlich-islamischen Gespr\u00e4ch\u201c und hier vor allem auf die islamwissenschaftlich relevanten Themenfelder, die dort behandelt oder zumindest kurz angerissen werden. Weniger Ber\u00fccksichtigung finden dagegen die Schlussfolgerungen f\u00fcr die praktischen Handlungsfelder. Empfehlungen wie eine Intensivierung gottesdienstlicher Gemeinschaft bauen nach meiner \u00dcberzeugung auf der verzerrten und harmonisierenden Darstellung christlichen und muslimischen Glaubens auf und sollten nach einer umfassenden \u00dcberarbeitung der \u201eWegmarken\u201c selbstverst\u00e4ndlich auch nochmal gr\u00fcndlich \u00fcberdacht werden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 1: Der wahrheitspluralistische Ansatz des GP wird weder dem christlichen noch dem islamischen Selbstverst\u00e4ndnis gerecht und scheint zu einem problematischen Toleranzbegriff zu f\u00fchren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das GP merkt zwar mehrfach an, dass es keinesfalls Beliebigkeit oder Relativismus in der christlich-muslimischen Begegnung anstrebt, scheint aber doch an vielen Stellen, in denen man eigentlich einen deutlichen Widerspruch zwischen dem biblischen und dem koranischen Zeugnis und zwischen dem absoluten Wahrheitsanspruch des biblischen Jesus und dem Wahrheitsanspruch Mohammeds im Koran konstatieren m\u00fcsste, einem Wahrheitspluralismus das Wort zu reden. Nach dem GP geht es bei \u201eWahrheit\u201c um \u201everl\u00e4ssliche Beziehung\u201c. Dabei sei \u201eobjektivierbare Richtigkeit [&#8230;] nicht ausreichend und auch nicht der entscheidende Punkt, wenngleich das Erkenntnismoment damit nicht bedeutungslos wird.\u201c (12) Anschlie\u00dfend folgt der Verweis auf Johannes 14,6: \u201eIch bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.\u201c Der Vers wird im GP gleich mehrfach zitiert, aber aus dem folgenden Nachsatz Jesu \u201eNiemand kommt zum Vater denn nur durch mich.\u201c werden \u00fcberhaupt keine Konsequenzen f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zum Islam, den missionarischen Auftrag der Christen und die Begegnung mit Muslimen gezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Folgt man diesem wahrheitspluralistischen Ansatz, ver\u00e4ndert sich zwangsl\u00e4ufig auch das Verst\u00e4ndnis von dem, was mit der im GP viel beschworenen Toleranz gemeint ist. Geht es klassischen Toleranz-Konzepten und dem lateinischen Ursprung des Begriffs folgend um das Aushalten, Ertragen, Erdulden, vielleicht sogar Erleiden fundamentaler Differenzen, die man offen an- und ausspricht, aber nicht zum Anlass nimmt, den anderen mit Gewalt, Zwang, Einsch\u00fcchterung oder anderen unlauteren Mitteln von der eigenen Sicht zu \u00fcberzeugen? Oder geht es den GP-Verfassern darum, sich widersprechende Glaubensvorstellungen, Werte, Lebensstile und Wahrheitsanspr\u00fcche (aus falscher R\u00fccksicht und zu Gunsten eines nur sehr oberfl\u00e4chlichen und tr\u00fcgerischen Friedens) gleicherma\u00dfen wahr, gut und g\u00fcltig zu finden.  <\/p>\n\n\n\n<p>Letzteres ist freilich in letzter Konsequenz \u00fcberhaupt nicht lebbar. Aber wo eine solche Haltung im Blick auf christlich-islamische Weggemeinschaft dominiert, werden dringend notwendige (in aller Sachlichkeit und zwischenmenschlichem Respekt zu f\u00fchrende) Debatten unterdr\u00fcckt und wirklich tiefgehende Begegnungen und Gespr\u00e4che gerade zwischen Christen und Muslimen, die ihren jeweiligen Glauben und seine grundlegenden Quellen noch ernst nehmen, im Namen so genannter Toleranz unterbunden. Alles muss demnach relativiert werden, nur nicht der religi\u00f6se (und oft auch moralische) Relativismus selbst. Am Ende bleibt eine zutiefst widerspr\u00fcchliche \u201eintolerante Toleranz\u201c (siehe hierzu auch das gleichnamige Buch des U.S.-amerikanischen Theologen D.A. Carson).&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 2: F\u00fcr ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen bedarf es (zumindest aus christlicher Perspektive) keiner theologischen Harmonisierung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das GP legt zumindest indirekt nahe, dass der gesellschaftliche Frieden insbesondere zwischen Christen und Muslimen von einer theologischen Harmonisierung ihrer Glaubens\u00fcberzeugungen oder zumindest von der Feststellung abh\u00e4ngt, an denselben Gott zu glauben.Das erscheint mir allerdings \u2013 unabh\u00e4ngig von der Frage, wie man das Verbindende und Trennende zwischen dem christlichen und dem islamischen Glauben jeweils gewichtet \u2013 als ein fataler Fehlschluss. Das friedliche Zusammenleben mit Muslimen h\u00e4ngt f\u00fcr Christen keineswegs von theologischen Harmonisierungen ab. Ein w\u00fcrde- und respektvoller Umgang mit Muslimen ergibt sich bereits aus der Gottesebenbildlichkeit aller Menschen und dem Gebot Jesu aus Matth\u00e4us 7,12, den anderen so zu behandeln, wie wir selbst behandelt werden m\u00f6chten. Andernfalls m\u00fcsste man fragen, wie Christen mit jenen weltanschaulichen Gruppen friedlich zusammenleben k\u00f6nnen, mit denen sich (noch) weniger Gemeinsamkeiten theologischer Art finden lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts mehrfacher und grunds\u00e4tzlich begr\u00fc\u00dfenswerter Aufrufe zum gemeinsamen Einsatz von Christen und Muslimen f\u00fcr den Frieden (u.a. 5, 6, 8, 43, 56, 61) gilt es viel deutlicher festzuhalten, dass der Frieden vor allem dort gef\u00e4hrdet ist, wo Menschen unterschiedlichen Glaubens Gewalt, Zwang oder Manipulation als m\u00f6gliche Mittel weltanschaulicher Auseinandersetzungen betrachten. Wo immer dies geschieht, sollten die Kirche diese Haltung verurteilen (ob in den eigenen Reihen oder in anderen religi\u00f6sen und gesellschaftlichen Gruppierungen), aber nicht aus Angst vor einem gewissen Gewaltpotenzial einzelner Muslime oder militanter Gruppen den eigenen Auftrag zur friedlichen Verk\u00fcndigung des Evangeliums relativieren. Ein derartiges Vorgehen w\u00fcrde der Logik der Gewalt und der Einsch\u00fcchterung folgen und gerade vor denen kapitulieren, die das friedliche Zusammenleben und den konstruktiven Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen am st\u00e4rksten gef\u00e4hrden.&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 3: Es ist von Anfang nicht klar, welcher Islam Gegenstand des Vergleichs sein soll und mit welchen islamischen Gruppen man den Dialog f\u00fchren m\u00f6chte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p> Das GP erkl\u00e4rt einleitend, dass man nicht in der Lage sei, auch nur ann\u00e4hernd \u201edie Vielgestaltigkeit und Pluralit\u00e4t muslimischen Glaubens zu erfassen\u201c (15). Dass eine umfassende Analyse nicht m\u00f6glich ist, versteht sich von selbst. Aber in einem Papier, das die Sprachf\u00e4higkeit von Christen gegen\u00fcber Muslimen f\u00f6rdern will, w\u00e4re es durchaus notwendig, einen groben \u00dcberblick \u00fcber das Spektrum islamischer Glaubensrichtungen und Organisationen ( v.a. in Deutschland) zu geben, das u.a. von salafistischen Muslimen, die sich konsequent an den Wortlaut der islamischen Quellen und am Vorbild der \u201efrommen Altvorderen\u201c orientieren wollen, \u00fcber die traditionell-konservativen Moscheeverb\u00e4nde bis hin zu verschiedenen Initiativen und Zusammenschl\u00fcssen s\u00e4kularer und liberaler Muslime reicht, die eine mehr oder weniger weitreichende historisch-kritische Relativierung des politischen und militanten Erbe Mohammeds und entsprechender Koranverse und Hadithe einfordern. In einer groben Darstellung m\u00fcssten auch einige kurze und pr\u00e4gnante Informationen zu Unterschieden zwischen Sunniten und Schiiten, zur Bedeutung sufischer Bruderschaften und zum im Westen h\u00e4ufig untersch\u00e4tzen Ph\u00e4nomen volkislamischer Vorstellungen und Praktiken sowie zur Einordnung von Sondergruppen wie den Aleviten oder der gerade im interreligi\u00f6sen Dialog, aber auch im Bereich islamischer Mission sehr aktiven Gruppe der Ahmadiyya gegeben werden.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;  <\/p>\n\n\n\n<p>Die fehlende Klarheit und Differenzierung bzgl. des Islamverst\u00e4ndnisses, von dem man bei der Frage des Vergleichs und der eigenen theologischen \u201eWegbestimmung\u201c ausgehen m\u00f6chte, ist auch insofern problematisch, weil damit v\u00f6llig ungekl\u00e4rt ist, welcher Auslegungstradition man in der eigenen Darstellung des islamischen Glaubens (z.B. bei der Beschreibung des islamischen Offenbarungsverst\u00e4ndnisses auf den Seiten 19-22) folgt. Es scheint, dass man an einigen f\u00fcr Vergleich und Begegnung sehr entscheidenden Stellen gern allgemein von begr\u00fc\u00dfenswerten zeitgen\u00f6ssischen Ans\u00e4tzen spricht (oder auch stillschweigend auf diese Bezug nimmt), den pers\u00f6nlichen Zugang zur Bibel recht eigenwillig auf die etablierte islamische Theologe \u00fcbertr\u00e4gt und in den koranischen Text hineinliest und zugleich anderes ausblendet, was in vorherrschenden Auslegungen muslimischer Theologen durchaus von zentraler Bedeutung ist. Zum Beispiel wollen die Verfasser des GP genau wissen, wie die Gewalt legitimierenden Verse aus Sure 2,190-191 richtig zu verstehen sind und wie nicht. Ein Bezug zu einschl\u00e4gigen Kommentaren oder zumindest anerkannten islamwissenschaftlichen Sekund\u00e4rquellen gibt es nicht.&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p> Das GP will die Gespr\u00e4chspartner nicht vorab zu definieren versuchen und setzt auf ein \u201eB\u00fcndnis der Willigen\u201c (15). Sollten jedoch, wie die Ausf\u00fchrungen im praktischen Teil nahelegen, vor allem die \u00f6rtlichen Moscheevereine und damit in den meisten F\u00e4llen Vertreter der gro\u00dfen muslimischen Dachverb\u00e4nde im Blick sein, w\u00e4re es gut, einige S\u00e4tze zu deren inhaltlicher und struktureller Ausrichtung zu verlieren und dabei problematische Verflechtungen einzelner Verb\u00e4nde mit der staatlichen t\u00fcrkischen Religionsbeh\u00f6rde in Ankara oder \u00fcber ihre Mitglieder mit islamistischen Organisationen nicht auszublenden. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 4: Das GP suggeriert beim Offenbarungs- sowie jeweiligen Bibel- und Koranverst\u00e4ndnis gro\u00dfe Gemeinsamkeiten, die dem Selbstverst\u00e4ndnis und der Struktur und Argumentation des Koran nicht gerecht werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das GP projiziert eigene theologische Vorstellungen (und einen an vielen Stellen \u00e4u\u00dferst beliebigen, selektiven Umgang mit dem biblischen Zeugnis) vorschnell auf das islamische Koran- und Offenbarungsverst\u00e4ndnis.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eAus christlicher Perspektive ergeht Gottes Wort im Menschenwort. Auch nach islamischer Vorstellung geschieht die von Ewigkeit her g\u00fcltige Gottesbotschaft im Medium der begrenzten menschlichen Einsichten. Christen und Muslime stehen im Blick auf ihre Heiligen Schriften in einem Spannungsfeld zwischen der unbedingten Geltung des g\u00f6ttlichen Wortes und seinem zeit- und situationsbedingten Verst\u00e4ndnis damals und heute. Es bleibt eine Herausforderung, diese Spannung im Dialog miteinander zu thematisieren.\u201c (19)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p> Da sich in der islamischen Orthodoxie das Dogma von der Unerschaffenheit des Koran durchgesetzt hat, was das GP mit dem Verweis auf die \u201ehimmlische Urschrift\u201c zumindest andeutet, geht die vorherrschende islamische Theologie (trotz teils kontroverser Debatten \u00fcber eindeutige und mehrdeutige Verse, feststehende Prinzipien und flexible im Licht gegenw\u00e4rtiger Umst\u00e4nde und Notwendigkeiten auszulegender Bestimmungen) keineswegs davon aus, dass die \u201evon Ewigkeit her g\u00fcltige Gottesbotschaft im Medium der begrenzten menschlichen Einsichten\u201c geschieht. Es gibt freilich muslimische Denker, wie den \u00e4gyptischen Literaturwissenschaftler Nasr Hamid Abu Zaid, die versucht haben, den Koran als Dialog zwischen dem Menschlichen und dem G\u00f6ttlichen zu lesen, aber sie mussten und m\u00fcssen bis heute mit erheblichem Widerstand rechnen. Abu Zaid wurde von einem staatlichen Gericht als H\u00e4retiker verurteilt und zwangsgeschieden und musste in der Folge mit seiner Frau ins holl\u00e4ndische Exil fliehen. Mahmud Taha, Gr\u00fcnder der Republikanischen Bruderschaft im Sudan, erkl\u00e4rte die fr\u00fchen, mekkanischen Passagen des Koran zur Essenz der g\u00f6ttlichen Botschaft&nbsp; und verstand die sp\u00e4ten, diskriminierenden Bestimmungen aus der sp\u00e4ten Zeit Mohammeds in Medina als fehlbare menschliche Umsetzung dieser g\u00f6ttlichen Prinzipien. Taha wurde in Rechtsgutachten der Islamischen Weltliga und der renommierten Al-Azhar Universit\u00e4t in Kairo der Apostasie beschuldigt und schlie\u00dflich 1985 unter dem sudanesischen Pr\u00e4sidenten an-Numeiri hingerichtet. Neue Zug\u00e4nge zum Koran sollten also angesprochen, aber gleichzeitig nicht verschwiegen werden, wie es denen ergeht, die solche reformorientierten Konzepte im \u00f6ffentlichen Raum zur Sprache bringen. (siehe zum Koran auch die Hintergrundinformationen am Ende des Thesenpapiers!)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 5: Die Auslassung der islamischen \u00dcberlieferung und der klassisch-islamischen Auslegungstradition f\u00fchrt zu einem sehr subjektiven und verzerrten Blick auf die zentralen Inhalte \u201edes Koran\u201c und \u201edes Islam\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Fokussierung\nauf den Koran \u2013 und innerhalb des Koran vornehmlich auf solche Verse, die aus\nSicht der GP-Verfasser eine gewisse \u00dcberschneidung mit biblischen Aussagen\nnahelegen \u2013 bei gleichzeitiger Ausblendung der Sunna (15) wird dem\ntraditionell-islamischen Glaubensverst\u00e4ndnis nicht gerecht. Denn fromme Muslime\nsehen sich durch den Koran (in dem der Gehorsam gegen\u00fcber Mohammed mit dem\nGehorsam gegen\u00fcber Allah gleichgesetzt wird) dazu aufgerufen, sich in ihrem\ngesamten Lebensvollzug m\u00f6glichst konsequent an der Sunna, der Lebensweise bzw.\nGewohnheit ihres Propheten, zu orientieren. Im Laufe der ersten Jahrhunderte\nnach seinem Tod sind daher umfangreiche Sammlungen so genannter Hadithe\nentstanden, von denen heute im sunnitischen Bereich sechs kanonische Sammlungen\nanerkannt sind. Vor allem die bei al-Bukhari und Muslim \u00fcberlieferten\nAusspr\u00fcche hatten und haben einen gewaltigen Einfluss auf islamische Glaubens-\nund Rechtspraxis \u2013 und gelten nicht zuletzt neben der Biographie Mohammeds (Sira)\nals unverzichtbare Bezugsquelle f\u00fcr die klassische Chronologie, Auslegung und\nAnwendung einzelner Koranverse.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hadithe entwickelten sich folglich zu einer dem Koran fast gleichgestellten Quelle, auch wenn der mit ihnen verbundene Offenbarungsanspruch nicht direkter, sondern abgeleiteter Natur war bzw. ist. Wie wichtig sie sind, zeigt unter anderem die Tatsache, dass sich die Pflicht zum f\u00fcnfmal t\u00e4glichen rituellen Gebet nicht im Koran, sondern in den Hadithen findet. Gleiches gilt f\u00fcr die im klassischen Schariarecht vorgesehene Steinigung bei Ehebruch oder ausdr\u00fcckliche Anweisungen Muhammads, den zu t\u00f6ten, der seine Religion wechselt. Neben der Sunna ignoriert das GP auch die gesamte rechtswissenschaftliche Tradition der gro\u00dfen Rechtsschulen, die bei Auslegung und Anwendung der islamischen Quellen im Rahmen des alle Lebens- und Gesellschaftsbereiche umfassenden Schariarechts eine zentrale Rolle spielen und \u00fcber die Moscheegemeinden und Fatwa-Datenb\u00e4nke im Internet auch eine pr\u00e4gende Wirkung auf den frommen Teil der muslimischen Minderheiten in westlichen L\u00e4ndern haben. Fundierte Aussagen zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden in ethischen Fragen der Gerechtigkeit in den sozialen Beziehungen sind bei Ausblendung dieser Quellen nicht wirklich m\u00f6glich.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 6: Das GP verwechselt Mehr- und Minderheitsmeinungen und beschreibt an vielen Stellen eher ein Wunschbild Islam statt die real vorhanden6n Verh\u00e4ltnisse.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es wird an manchen f\u00fcr Fragen des Vergleichs und der Begegnung sehr relevanten Stellen wiederholt allgemein von (etlichen) zeitgen\u00f6ssischen Auslegern (19f., 32, 34) gesprochen, die neue Ans\u00e4tze verfolgen, ohne dass offengelegt wird, wie das traditionelle und bis heute oft noch im innerislamischen Diskurs der Rechtsschulen vorherrschende Verst\u00e4ndnis ist. Immer wieder kommen W\u00fcnsche der Verfasser zum Ausdruck, wie Muslime hoffentlich zuk\u00fcnftig ihren Glauben verstehen und oder wie einschl\u00e4gige Aussagen z.B. zur Gewalt aus Sicht der GP-Verfasser (nicht) zu lesen sind. Hier f\u00fchrt die Ausblendung der \u00dcberlieferung und der rechtswissenschaftlichen Tradition zu einer sehr verzerrten Wahrnehmung der gegenw\u00e4rtigen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse im innerislamischen Diskurs. Ein Gespr\u00e4chspapier, das zur Begegnung mit dem heute real geglaubten und gelebten Islam vorbereiten m\u00f6chte, sollte potenziellen Gespr\u00e4chspartnern nat\u00fcrlich nicht von vorneherein unterstellen, die in ihren Herkunftsl\u00e4ndern dominierenden Auslegungen zu vertreten, darf sich aber auch nicht im Wunschdenken verlieren, sondern muss klarer benennen, welche Auslegungen derzeit Randpositionen sind und welche den Diskurs stark dominieren. Diese Unterscheidungen und Gewichtungen sucht man an vielen Stellen des GP vergeblich.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nat\u00fcrlich verst\u00e4ndlich, dass das GP Ans\u00e4tze einer \u201eTheologie der Barmherzigkeit\u201c, wie sie der M\u00fcnsteraner Soziologe und Religionswissenschaftler Mouhanad Khorchide vorgelegt hat, positiv wahrnimmt und sich gerne wiederholt auf die von ihm vorgelegte Neuinterpretation des Koran bezieht (u.a. 29). Aber es erscheint \u00e4u\u00dferst besch\u00f6nigend, wenn dann nur kurz bemerkt wird, dass sein Ansatz sicherlich nicht unumstritten sei. Tats\u00e4chlich ist Khorchide von salafistischen Gruppen des Abfalls beschuldigt worden, hat Morddrohungen erhalten und musste zeitweise unter Polizeischutz leben. Die gro\u00dfen vier im Koordinationsrat der Muslime (KRM) zusammengeschlossenen islamischen Dachverb\u00e4nde haben nach dem Erscheinen seines Buches zur Barmherzigkeit (letztlich vergeblich) seine Absetzung als Leiter des Zentrums f\u00fcr Islamische Theologie an der Universit\u00e4t M\u00fcnster gefordert und ihm in einem eigenen Gutachten u.a. eigenwillige \u00dcbersetzungen und Auslegungen der f\u00fcr seine Thesen zentralen Verse und eine unreflektierte \u00dcbernahme christlicher Terminologie vorgeworfen. Gerade weil es voraussichtlich diese Moscheeverb\u00e4nde sind, mit denen die meisten Kirchengemeinden am h\u00e4ufigsten den Dialog suchen, erscheint es problematisch, Thesen wie die von Khorchide zum Ausgangspunkt eines Vergleichs zu nehmen, ohne sich gleichzeitig auch konstruktiv-kritisch mit der scharfen Kritik der Verb\u00e4nde auseinanderzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 7: Das GP ignoriert in seiner gesamten Argumentation die f\u00fcr die Koranauslegung ma\u00dfgebliche Unterscheidung verschiedener Lebensphasen Mohammeds sowie die in sp\u00e4ten Suren deutlich erkennbare Verkn\u00fcpfung eines absoluten Wahrheits- mit einem weltlichen Machtanspruch.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p> Die Harmonisierungsversuche des GP im Blick auf christliche und islamische Grundaussagen insbesondere durch die unreflektierte Bejahung des islamischen Dogmas der \u201eEinzigkeit\u201c und die damit einhergehende Relativierung der Trinit\u00e4t (22ff.), offenbaren eine gro\u00dfe Naivit\u00e4t im Blick auf das islamische Selbstverst\u00e4ndnis. W\u00e4hrend sich Mohammed zu Beginn seiner Verk\u00fcndigung in Mekka haupts\u00e4chlich gegen die arabischen Polytheisten richtet und die Gemeinsamkeiten mit den so genannten Buchbesitzern (Juden und Christen) betont, wendet sich das Blatt mit seiner Auswanderung nach Medina, wo er nicht nur zum religi\u00f6sen Anf\u00fchrer, sondern auch zum Gesetzgeber, Richter und Feldherr der muslimischen Gemeinschaft wird. Der Ton gegen\u00fcber den Christen und Juden, die mehrheitlich Mohammed nicht als Propheten anerkennen, versch\u00e4rft sich in dieser Zeit. Die Entwicklung gipfelt schlie\u00dflich in mehreren Feldz\u00fcgen gegen die j\u00fcdischen St\u00e4mme von Medina, einem deutlichen Aufruf zur Abgrenzung von Juden und Christen (Sure 5,51) sowie der Anordnung, die Buchbesitzer im Kampf zu unterwerfen (Suren 9,29). Im innerislamischen Diskurs gab es freilich schon fr\u00fch Stimmen, die darin keinen Aufruf zur Bek\u00e4mpfung aller Juden und Christen aller Orten und Zeiten sehen und die Verse in ihrer Anwendbarkeit mit Blick auf ihren koranischen und historischen Kontext zumindest einschr\u00e4nken wollten. Gleichzeitig gilt es n\u00fcchtern wahrzunehmen, dass solche und andere Verse und das Prinzip der so genannten Abrogation \u2013 gemeint ist in diesem Zusammenhang die Aufhebung fr\u00fcherer, oft friedfertiger Aussagen durch sp\u00e4tere Gewalt legitimierende Verse \u2013 in der islamischen Geschichte (durch die Kalifen) und in der Gegenwart (durch militante Islamisten) zur Legitimation von Expansions- und Unterwerfungsbestrebungen herangezogen wurden. Die scharfe Polemik des Korans gegen die Juden kann dar\u00fcber hinaus auch beim vom GP angesprochenen Ph\u00e4nomen des Antisemitismus unter Muslimen (59) eine legitimierende oder verst\u00e4rkende Rolle spielen, wenn sie insbesondere, aber keineswegs ausschlie\u00dflich im Blick auf den ungel\u00f6sten Nahostkonflikt mit antij\u00fcdischen Vorurteilen und Verschw\u00f6rungstheorien des europ\u00e4ischen Antisemitismus verbunden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Islam erscheint in den sp\u00e4ten Koranversen als \u201eReligion (eines muslimischen) Ibrahaims\/Abrahams\u201c, als reine und unverf\u00e4lschte Form des Monotheismus, als wahre Ur- und Endreligion des Menschen, der Allah nach Sure 9,33 zum Sieg \u00fcber jede andere Religion verhelfen wird. Entsprechend gilt Mohammed im Islam als \u201eSiegel der Propheten\u201c (Sure 33,40) und die Muslime als die \u201ebeste Gemeinschaft, die auf Erden entstanden ist\u201c, weil \u201esie gebietet, was recht ist, und verbietet, was verwerflich ist und glaubt an Allah\u201c (Sure 3,110). Die oben genannten biblischen Personen \u2013 vor allem Abraham \u2013 erscheinen im Koran als paradigmatische Muslime und Vorl\u00e4ufer Mohammeds, die stets nur zur Unterwerfung unter den einen Gott aufgerufen und selbst gebetet, gefastet und weitere rituelle und soziale Pflichten des sp\u00e4ter von Mohammed verk\u00fcndeten Islams erf\u00fcllt haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Aus den genannten und weiteren Versen und \u00e4hnlich ausgerichteten Hadithen haben muslimische Rechtsgelehrte eine Dreiteilung (Muslime-Schriftbesitzer-Heiden) abgeleitet, nach der Muslime \u00fcber den Juden und Christen als \u201eLeute des Buches\u201c bzw. \u201eSchriftbesitzer\u201c stehen, die dazu aufgerufen wurden, den Islam anzunehmen oder sich ihm zu unterwerfen, was vor allem bedeutete, dass sie Kopfsteuer (jizya) entrichten, auf eine \u00f6ffentliche Darstellung ihres Glaubens und missionarische Gespr\u00e4che mit Muslimen verzichten und auch in anderer Weise ihre Unterw\u00fcrfigkeit gegen\u00fcber Muslimen zum Ausdruck bringen sollten. Die Privilegierung der muslimischen Gemeinschaft im \u00f6ffentlichen Raum hat sich bis heute in muslimischen Mehrheitsgesellschaften gehalten. Einschr\u00e4nkungen der Glaubens- und Meinungsfreiheit wurden sogar durch die Reislamisierungs-Bewegung in den letzten Jahrzehnten in manchen L\u00e4ndern noch verst\u00e4rkt \u2013 v.a. durch entsprechende Blasphemie- und Apostasie-Gesetzgebungen. Solche Hintergr\u00fcnde zu kennen und in aller Sachlichkeit auch ins Gespr\u00e4ch zu bringen, erscheint dringend notwendig, wenn man es mit dem viel beschworenen Einsatz f\u00fcr Gerechtigkeit ernst meint. Denn letztere wird im vorherrschenden islamrechtlichen Diskurs keineswegs im Widerspruch zur ungleichen Behandlung von Muslimen und Nicht-Muslimen sowie M\u00e4nnern und Frauen im \u00f6ffentlichen Raum gesehen.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 8: Das GP \u00fcbersch\u00e4tzt die positiven Aussagen zu Isa (Jesus) und verkennt seine durchgehende Islamisierung im Koran.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p> Es erscheint vor diesem Hintergrund auch problematisch, dass das GP Christen dazu aufruft, freudig \u00fcber die Hochsch\u00e4tzung Jesu im Koran zu staunen (27). Nat\u00fcrlich gibt es dort zahlreiche interessante Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr das vertiefende Gespr\u00e4ch, wenn Jesus beispielsweise im Unterschied zu allen anderen Propheten \u2013 auch zu Mohammed \u2013 als s\u00fcndlos beschreiben wird, Tote auferweckt, Blinde und Taube heilt und als Wort und Geist von Gott bezeichnet wird. Allerdings leugnet derselbe Koran eben ganz zentrale christliche Glaubens\u00fcberzeugungen wie die Selbstoffenbarung Gottes in Christus und die Selbsthingabe Jesu als Lamm Gottes, das die S\u00fcnde der Welt hinwegnimmt (Joh 1,29). Damit ist Muslimen der Blick auf Jesus als Erl\u00f6ser von der Macht der S\u00fcnde und des Todes verstellt. Gerade darin liegt aber doch eigentlich die vom GP erw\u00e4hnte \u201ebefreiende, heilende, ermutigende und tr\u00f6stende Kraft des Evangeliums\u201c (14). Oder begreifen die GP-Verfasser all dies nur als Bilder und Metaphern, die f\u00fcr Christen \u201eWahrheit\u201c sind und f\u00fcr andere eben nicht?&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Das GP verkennt in jedem Fall, dass eben auch Jesus im Koran ganz und gar dem islamischen Paradigma angepasst wird, dargestellt als ein Muslim, Vorl\u00e4ufer und Ank\u00fcndiger Mohammeds, der gebetet und gefastet hat, aber eben nicht als gekreuzigter und auferstandener Sohn Gottes und einziger Weg zum Vater im Himmel. Wenn im Koran vom Evangelium (<em>injil<\/em>) oder auch von der Thora oder den Psalmen Davids die Rede ist, dann geht es eben nicht um die von Christen heute gelesene Bibel und das christliche Selbstverst\u00e4ndnis \u2013 nicht darum, dass sich Gott selbst und die Tiefe seiner Liebe in Christus offenbart, um zu suchen und zu retten, was verloren ist, sondern lediglich um dieselbe Botschaft der Rechtleitung schwacher, aber grunds\u00e4tzlich zum Guten f\u00e4higer Menschen, wie sie sp\u00e4ter auch Mohammed verk\u00fcndigt hat. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 9: Das GP zieht theologisch zweifelhafte Schlussfolgerungen aus der Zentralit\u00e4t der Liebe Gottes in der Bibel und verkennt fundamentale Unterschiede zum Koran.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es erscheint schwer nachvollziehbar und geradezu tragisch, dass das GP gerade aus der Grenzen \u00fcberschreitenden Liebe Gottes in Christus (42) offensichtlich den Schluss zieht, das Evangelium vom gekreuzigten und auferstandenen Christus in seiner universalen G\u00fcltigkeit relativeren zu k\u00f6nnen. Ganz grundlegende Unterschiede im Verst\u00e4ndnis der Liebe Gottes kommen im GP nicht wirklich zur Sprache, weil sie dem selbstauferlegten Zwang zu m\u00f6glichst weitreichender Konvergenz zuwiderlaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Bibel erscheint die Liebe Gottes tats\u00e4chlich als Motor seiner Heilsgeschichte mit den Menschen. Dass sie allen Menschen gilt und gerade nicht auf eine bestimmte Gruppe beschr\u00e4nkt ist und Menschen bereits gegolten hat, als sie noch S\u00fcnder waren (R\u00f6m 5,8), ist eine der zentralen und eben auch im Vergleich zum Islam einzigartigen Aussagen des Evangeliums. Es ist ja gerade die Liebe, die Gott dazu bewegt, seinen Sohn zu senden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht. (Joh 3,16). Diese Liebe gilt gerade den S\u00fcndern, denen, die nicht liebensw\u00fcrdig sind. Davon zeugt das ganze Leben Jesu, all seine Beziehungen und Gespr\u00e4che und nicht zuletzt sein Gebot der Feindesliebe, die er selbst in vollkommener Weise bis zu seinem Tod am Kreuz gelebt und auch in der Bitte um Vergebung f\u00fcr seine Feinde praktiziert hat. In den Briefen bauen zwischenmenschliche Beziehungen auf dieser Erfahrung unverdienter, bedingungsloser Liebe auf, wenn es zum Beispiel bei Paulus in Epheser 4,32 hei\u00dft: \u201eSeid aber zueinander g\u00fctig, mitleidig und vergebt einander, so wie auch Christus euch vergeben hat.&#8220; Indem wir anderen vergeben, antworten wir auf die Vergebung, die wir selbst bereits in Christus erfahren haben.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend es nun in Sure 3,31 hei\u00dft \u201eSag: Wenn ihr Allah liebt, dann folgt mir [Mohammed], damit auch Allah euch liebt und euch eure Schuld vergibt.\u201c und damit Allahs Liebe in gewissem Ma\u00dfe von menschlicher Vorleistung und Liebensw\u00fcrdigkeit abh\u00e4ngig gemacht wird, dann wird doch ein gro\u00dfer Kontrast zu Aussagen deutlich, wie sie sich u.a. im ersten Johannesbrief finden: \u201eHierin ist die Liebe: Nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als S\u00fchnung f\u00fcr unsere S\u00fcnden.\u201c Sicher ist in diesem Vers einiges sehr erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig f\u00fcr Muslime \u2013 die Vaterschaft Gottes, die Sohnschaft Jesu, die Menschwerdung Jesu und schlie\u00dflich die Notwendigkeit eines S\u00fchneopfers. Aber damit sind eben ganz zentrale Aspekte des christlichen Glaubens und der entscheidende Grund christlicher Hoffnung gerade auch im Blick auf den von vielen Muslimen gef\u00fcrchteten Tod und die damit eng verbundene Frage nach dem Ausgang des g\u00f6ttlichen Gerichts f\u00fcr den einzelnen Menschen angesprochen. Nur wenn wir hier das ehrliche, offene und tiefgehende Gespr\u00e4ch \u00fcber unser Verst\u00e4ndnis von Schuld und S\u00fcnde, von Vergebung und Bu\u00dfe, von Heil und Heilsgewissheit suchen, gibt es echte Begegnung. Wenn wir genau das dauerhaft ausblenden oder umschiffen, droht der Austausch zum unfruchtbaren Schaudialog zu verkommen, der die interreligi\u00f6se Begegnung nur noch als Mittel zum Zweck des gesellschaftlichen Friedens begreift und dabei weder den eigenen noch den Glauben des anderen wirklich ernst nehmen und kennen lernen will. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 10: Die mehrfach gelobte Dialoginitiative der 138 muslimischen Gelehrten ist vor allem ein Aufruf an Christen, ihren Glauben selbst zu islamisieren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Hintergrund der vorangegangenen Thesen gilt es auch den im GP zweimal (8 und 36 im Abschnitt \u00fcber gemeinsame ethische Leitlinien und \u201eGerechtigkeit und Barmherzigkeit als Summe der Gebote\u201c) erw\u00e4hnten Brief von 138 muslimischen Gelehrten an christliche Kirchenf\u00fchrer weltweit (\u201eEin Wort, das uns und euch gemeinsam ist\u201c bzw. \u201eCommon Word\u201c) kritisch zu hinterfragen. Das GP f\u00fchrt aus, dass hier \u201emit ganzer Emphase auf das Doppelgebot der Gottes- und N\u00e4chstenliebe als einigendes Band zwischen Juden, Christen und Muslimen verwiesen\u201c werde und zitiert dann die Verfasser, die von in keiner Weise zu verniedlichenden formalen Unterschieden zwischen den Religionen sprechen, aber die beiden obersten Gebote als verbindende und der Einheit Gottes entspringende Gemeinsamkeit deuten (36).<\/p>\n\n\n\n<p>Hier muss man beachten, dass Dreh- und Angelpunkt des Aufrufs Sure 3,64 ist,<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eSag: Ihr Leute der Schrift! Kommt her zu einem Wort des Ausgleichs (ilaa kalimatin sawaa&#8217;in) zwischen uns und euch! (Einigen wir uns darauf) da\u00df wir Allah allein dienen und ihm nichts (als Teilhaber an seiner G\u00f6ttlichkeit) beigesellen, und da\u00df wir (Menschen) uns nicht untereinander an Allahs Statt zu Herren nehmen. Wenn sie sich aber abwenden, dann sagt: &#8222;Bezeugt, da\u00df wir (Allah) ergeben (muslim) sind!&#8220;\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>ein Vers, der von den ma\u00dfgeblichen Auslegern der formativen und der klassischen Perioden des Islam \u00fcbereinstimmend als polemische Abgrenzung von christlichen Grund\u00fcberzeugungen (insbesondere von der Trinit\u00e4t und der Gottessohnschaft Jesu) verstanden wurde. Diese Intention der Abgrenzung wird auch deutlich, wenn man in der Sure ein paar Verse weiterliest: \u201eAbraham war weder Jude noch Christ. Er war vielmehr ein (Allah) ergebener Hanif [Gottsucher], und kein Heide.\u201c (Sure 3,67) In manchen \u00dcberlieferungen und Kommentaren erscheint Vers 64 auch als Teil eines obligatorischen Aufrufs bzw. einer Einladung (<em>da&#8217;wa<\/em>) zur Annahme des Islam, die Muhammad unter anderem an den damaligen byzantinischen Kaiser Heraclius geschickt haben soll.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommt, dass der Koran kein der Bibel vergleichbares ausdr\u00fcckliches Doppelgebot der Liebe kennt. Der koranische Text (Sure 112), den die muslimischen Gelehrten in ihrem Brief den biblischen Texten (5. Mose 6,4 und Markus 12,29) zur Seite stellen, erw\u00e4hnt weder die Liebe Gottes zu den Menschen noch die Liebe der Menschen zu Gott oder die innerislamische oder allgemein zwischenmenschliche Liebe, sondern betont lediglich das islamische Verst\u00e4ndnis der Einsheit bzw. Einzigkeit Allahs und ist in der islamischen Auslegungstradition schon fr\u00fch nicht nur als Abgrenzung vom Polytheismus der vorislamischen Araber verstanden sondern (wie Sure 3,64) auch als Zur\u00fcckweisung des trinitarischen Glaubens der Christen und ihrer \u00dcberzeugung von der Gottessohnschaft Jesu ausgelegt worden. Der Brief suggeriert, dass der Weltfriede vom Frieden zwischen den gro\u00dfen monotheistischen Religionen abh\u00e4ngt und diese wiederum von einer Einigung auf einen gemeinsamen theologischen Grundbestand. Dieser Versuch der Harmonisierung l\u00e4uft aber in dem Brief eindeutig auf eine subtile Aufforderung zur (Selbst-)Islamisierung des christlichen Glaubens hinaus, in der zentrale Inhalte zu \u201eformalen Unterschieden\u201c degradiert werden. Offensichtlich wird das von den Verfassern des GP nicht durchschaut.&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 11: Die freimachende Kraft des Evangeliums kommt im GP nur unzureichend zur Sprache, w\u00e4hrend gleichzeitig das Verh\u00e4ltnis von Glauben und Werken im koranischen Denken \u00fcber das bevorstehende Gericht nicht angemessen erfasst wird.&nbsp; (32ff.)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf Seite 32 hei\u00dft es: \u201eAls evangelische Christen sind wir dankbar f\u00fcr die befreiende Botschaft der Rechtfertigung des S\u00fcnders allein durch Gottes Gnade, wie sie gerade die reformatorische Theologie zum Leuchten gebracht hat und zugleich achten wir die Ernsthaftigkeit, mit der Muslime auf die Pflicht zur Rechenschaft f\u00fcr unser Handeln vor Gott verweisen.\u201c (32) Man fragt sich, warum hier nur konkret benannt wird, was Christen m\u00f6glicherweise von Muslimen lernen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend keine Ermutigung zu finden ist, die freimachende \u2013 im GP nur verk\u00fcrzt wiedergegebene \u2013 Botschaft von R\u00f6mer 3,23 (s.u.) auch mit Muslimen zu teilen. Die Einzigartigkeit des Evangeliums wird einem deutlicher, wenn man bedenkt, dass es bei aller vom GP hervorgehobenen Betonung der Barmherzigkeit und Vergebungsbereitschaft Allahs zu den wesentlichen Denkvoraussetzungen des islamischen Glaubens geh\u00f6rt, dass derjenige, der glaubt <em>und<\/em> gute Werke tut bzw. rechtschaffen lebt, <em>Hoffnung<\/em> auf die Vergebung Allahs haben kann. Als Beleg daf\u00fcr seien an dieser Stelle vier einschl\u00e4gige Verse genannt:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sure 7,42:<\/strong> \u201eDiejenigen, die glauben und die guten Werke tun \u2013 Wir fordern von einem jeden nur das, was er vermag \u2013, das sind die Gef\u00e4hrten des Paradieses; darin werden sie ewig weilen.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sure 23,102-103:<\/strong> \u201eDiejenigen, deren Waagschalen schwer sind, das sind die, denen es wohl ergeht. 103 Und diejenigen, deren Waagschalen leicht sind, das sind die, die sich selbst verloren haben; in der H\u00f6lle werden sie ewig weilen.\u201c&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sure 13,20-23: <\/strong>\u201eDiejenigen, die den Bund Gottes halten und die Verpflichtung nicht brechen, und die verbinden, was Gott zu verbinden befohlen hat, ihren Herrn f\u00fcrchten und Angst vor einer b\u00f6sen Abrechnung haben, 22 und die geduldig sind in der Suche nach dem Antlitz ihres Herrn, das Gebet verrichten und von dem, was Wir ihnen beschert haben, geheim und offen spenden, und das B\u00f6se mit dem Guten abwehren, diese werden die jenseitige Wohnung erhalten [\u2026]\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sure 9,111<\/strong> [von Dschihadisten h\u00e4ufig im Kontext von Selbstmordattentaten als einzig sicherer und direkter Weg ins Paradies zitierter Vers]: \u201eGott hat den Gl\u00e4ubigen ihre eigene Person und ihr Verm\u00f6gen daf\u00fcr erkauft, dass ihnen das Paradies geh\u00f6rt, insofern sie auf dem Weg Gottes k\u00e4mpfen und so t\u00f6ten oder get\u00f6tet werden. Das ist ein Ihm obliegendes Versprechen in Wahrheit in der Tora und im Evangelium [???] und im Koran. Und wer h\u00e4lt seine Abmachung treuer ein als Gott?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das GP bringt nun im eigenen Vergleich viel zu wenig die befreiende Kraft des Evangeliums zum Ausdruck, wie sie u.a. in den beiden folgenden Bibeltexten deutlich wird:&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Epheser 2,8-10:<\/strong> \u201eDenn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich r\u00fchme. Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>R\u00f6mer 3,23f.:<\/strong> \u201edenn alle haben ges\u00fcndigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erl\u00f6sung, die in Christus Jesus ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Freilich ist die christlich-muslimische Begegnung tats\u00e4chlich eine Anfrage an unser geistliches Leben. Mit Bonhoeffer k\u00f6nnte man fragen, ob wir m\u00f6glicherweise in der Gefahr stehen, die Rechtfertigung des S\u00fcnders mit der Rechtfertigung der S\u00fcnde zu verwechseln und anstelle der \u201eteuren Gnade\u201c nur noch eine \u201ebillige Gnade\u201c zu predigen, die wir mit uns selbst haben und bei der wir nicht mehr im Blick haben, dass sie Gott seinen Sohn gekostet hat und dass sie daher auch uns zu einem ganz neuen Leben in der Nachfolge Jesu ruft. Es geht ganz konkret an unsere Antwort auf die unverdiente Erl\u00f6sung und freimachende Gnade Gottes in Christus. Der Epheser-Text spricht ja von Werken, die aber gerade in reformatorischer Perspektive nicht Voraussetzung, sondern Folge bzw. Frucht des rettenden Glaubens sind. Warum wird das im Vergleich mit dem Islam im GP nicht klarer herausgestellt? Die st\u00e4ndige Suche nach dem Gemeinsamen verstellt auch hier den Blick f\u00fcr die tiefgreifenden Unterschiede und damit f\u00fcr das, was die Begegnung und den Austausch mit Muslimen in der Wahrheit und Liebe Christi erst richtig tief und fruchtbar machen w\u00fcrde. <strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 12: Die Unterschiede zwischen Jesus und Mohammed sind tiefgreifender, als es das GP suggeriert. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Tendenz zur Selbstrelativierung und Islamisierung des christlichen Glaubens zeigt sich auch in einem Abschnitt, in dem es um Jesus und Mohammed geht:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eviel zu entdecken wird es geben f\u00fcr Christen und Muslime unterwegs im Gespr\u00e4ch \u00fcber Jesus und Mohammed, lehrend und wirkend im Namen Gottes des Allerbarmers. Bei aller Unvergleichbarkeit und Asymmetrie dieser beiden im Blick auf die jeweilige Glaubenswelt bei Christen und Muslimen ist doch festzuhalten: Jesus und Mohammed k\u00f6nnen in je eigener Weise als zeichenhafte Vergegenw\u00e4rtigung der Barmherzigkeit Gottes verstanden werden.\u201c (28) <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Absatz erscheint typisch f\u00fcr die Konvergenz-Hermeneutik des GP. Der Schwerpunkt liegt auch hier auf vermeintlichen Gemeinsamkeiten, wie sie unkritisch der koranischen Darstellung Mohammeds und Jesu als Barmherzigkeit entnommen werden. Unterschiede werden zwar kurz erw\u00e4hnt (\u201eBei aller Unvergleichbarkeit und Asymmetrie&#8230;\u201c), aber dann nicht konkretisiert und zu Ende gedacht \u2013 ganz offensichtlich, um keine Zweifel an der These aufkommen zu lassen, dass beide \u201eim Namen Gottes des Allerbarmers\u201c gelehrt und gewirkt haben. Dabei sind, wenn man die grundlegenden Quellen beider Religionen zu Rate zieht, die Unterschiede zwischen beiden in zentralen Bereichen ihrer Lehre und ihres Lebens enorm gro\u00df (siehe hierzu u.a. Bernie Powers, Jesus and Mohammed. What the ancient texts say about them, Bible Society Australia, 2015). Das betrifft u.a. Mohammeds in der islamischen \u00dcberlieferung vielfach belegten Anspruch auf Durchsetzung eines weltlichen und ganz pers\u00f6nlichen Machtanspruchs einschlie\u00dflich der Bereitschaft, Kritiker und Sp\u00f6tter notfalls mit Gewalt zum Schweigen zu bringen. Ein solches Verhalten steht im starken Kontrast zum Verzicht Jesu auf \u201eein Reich in dieser Welt\u201c, seine Zur\u00fcckweisung von Petrus bei dessen Versuch einer gewaltsamen Verteidigung Jesu und sein Gebet f\u00fcr seine Henker und die Sp\u00f6tter um Kreuz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 13: Das GP blendet die Perspektive von Konvertiten v\u00f6llig aus.&nbsp; <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres gro\u00dfes Defizit des GP besteht darin, dass es Religionswechselfreiheit zwar ausdr\u00fccklich einfordert (38-41), aber sich in keinem einzigen Satz mit dem heute in vielen Teilen der islamischen Welt zunehmenden Interesse vieler Muslime am christlichen Glauben befasst. Damit werden auch die bewegenden Geschichten und wertvollen Perspektiven jener Menschen muslimischen Hintergrunds komplett ausgeblendet, die oft trotz erheblicher sozialer Nachteile, schwerwiegender zivil- oder sogar strafrechtlicher Konsequenzen f\u00fcr den christlichen Glauben entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine intensivere Besch\u00e4ftigung mit Konversion und der Situation der Konvertiten w\u00e4re auch angesichts der Tatsache geboten, dass vor allem iranische und afghanische Fl\u00fcchtlinge in den letzten Jahren Kontakt zu Kirchengemeinden aufgenommen, Glaubenskurse absolviert und nicht wenige sich auch haben taufen lassen. Einige von ihnen haben ihre Glaubensreise, manche auch ihre darin eingeschlossene Leidensgeschichte in Interviews und B\u00fcchern n\u00e4her beschrieben. Sich in einem solchen GP auch mit ihrer Perspektive, ihren Erfahrungen und Wahrnehmungen des christlichen Glaubens zu besch\u00e4ftigen, hie\u00dfe, sich auch mal mit der Anziehungs- und nicht nur mit der \u201eAnst\u00f6\u00dfigkeit\u201c des eigenen Glaubens aus muslimischer Perspektiven zu befassen und zugleich Herausforderungen anzusprechen, vor denen die Gemeinden bereits stehen, wenn sie solche Konvertiten auf ihrem weiteren Glaubens- und Lebensweg begleiten m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 14: Das GP schweigt \u00fcber die schwerwiegenden Folgen des Abfalls vom muslimischen Glauben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Abschnitt \u00fcber die unterschiedlichen Dimensionen und geistigen Grundlagen der Religionsfreiheit fehlt eine klare Stellungnahme zu islamischen Apostasiegesetzen. Es wird angesichts gerade in j\u00fcngster Zeit stark zunehmender Christenverfolgung in muslimischen Mehrheitsgesellschaften und schwerer und vielf\u00e4ltiger Bedrohungen von Muslimen, die zum christlichen Glauben \u00fcbergetreten sind, nicht deutlich genug hervorgehoben, dass alle Rechtsschulen im Islam bis heute den \u00f6ffentlich erkennbaren Abfall vom Glauben (sprich: auch die Konversion zum christlichen Glauben) mit dem Tod bedrohen \u2013 meist mit Berufung auf eine \u00dcberlieferung, nach der Mohammed angeordnet haben soll, denjenigen zu t\u00f6ten, der seine Religion wechselt. Selbst im Westen lange Zeit als gem\u00e4\u00dfigt geltende Gelehrte, die gerne betonen, dass der Islam durchaus Religionsfreiheit kenne und der sich ausschlie\u00dflich im Kopf des Einzelnen abspielende Abfall nicht strafrechtlich verfolgt werden solle [im \u00dcbrigen auch nur schwer verfolgt werden kann], halten daran fest, dass ein Muslim, der seine Zweifel am Islam oder seine neuen \u00dcberzeugungen von einer anderen Religion oder Weltanschauung kundtut, die muslimische Gemeinschaft oder den Staat verrate, was einem politischen Verbrechen gleichkomme und auch im Westen schwere Strafen nach sich ziehen k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p> Nat\u00fcrlich gibt es, wie das GP mit dem Verweis auf Sure 2,256 (\u201eEs gibt keinen Zwang in der Religion\u201c) nahezulegen versucht, vereinzelt in der islamischen Welt und etwas zahlreicher auch in westlichen L\u00e4ndern muslimische Theologen, die eine volle Religionsfreiheit einschlie\u00dflich einer Konversion bejahen und die problematischen Verse und Hadithe anders auslegen und im Lichte eines generellen Zwangsverbots relativieren. Eine realistische Bestandsaufnahme darf aber nicht ausblenden, dass es sich leider nach wie vor um eine Randposition handelt, die zudem voraussetzt, dass der Islam seine \u00fcber Jahrhunderte gewachsene und bereits in Mohammeds eigenem Lebenslauf angelegte Verkn\u00fcpfung von religi\u00f6ser Verk\u00fcndigung und politischer Macht aufgibt und sich auch in den eigenen L\u00e4ndern dem freien Wettbewerb der Religionen und Weltanschauungen stellt und beispielsweise friedliche Formen nicht-islamischer Mission nicht l\u00e4nger als St\u00f6rung der \u00f6ffentlichen Ordnung kriminalisiert.&nbsp;  <\/p>\n\n\n\n<p>Das GP spricht mehrfach vom notwendigen Mut und gegenseitiger Zumutung kritischer Fragen. Konkret w\u00fcrde das bei dem hier angesprochenen Problem bedeuten, in einem ehrlichen Dialog auch die Frage mutig anzusprechen, inwiefern muslimische Dachverb\u00e4nde in Deutschland Religionswechselfreiheit nicht nur unter den gegeben Mehrheitsverh\u00e4ltnissen dulden, sondern auch daran interessiert sind, innerhalb ihrer Moscheen und in ihrer Jugendarbeit f\u00fcr eine volle Religionsfreiheit und einen friedlichen \u201eWettbewerb\u201c der Religionen und Weltanschauungen einzustehen \u2013&nbsp; unabh\u00e4ngig von der Frage, ob sich Muslime in einem bestimmten Land gerade in der Mehr- oder Minderheit befinden. Die christlichen Kirchen k\u00f6nnten hier muslimischen Verantwortungstr\u00e4gern begleitend und beratend zur Seite stehen \u2013 auch&nbsp; weil sie sich selbst mit voller Religionsfreiheit sehr lange sehr schwergetan haben.&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 15: Das GP untersch\u00e4tzt die Mehrdimensionalit\u00e4t des Dschihad.&nbsp; <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Gewaltthematik dr\u00fcckt sich das GP sehr vorsichtig aus und ist eifrig bem\u00fcht, auch auf das Gewaltpotenzial biblischer Texte hinzuweisen. Dabei werden die erw\u00e4hnten \u201eSchwert-Verse\u201c zu wenig in den Gesamtzusammenhang des islamischen Dschihad-Konzeptes eingeordnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Dschihad als Anstrengung oder Einsatz \u201eum Allahs willen\u201c (<em>fi sabil allah<\/em>) wird heute von muslimischen Gelehrten sehr vielf\u00e4ltig verstanden. In der Fr\u00fchzeit und im Koran selbst dominiert die Vorstellung eines k\u00e4mpferischen Einsatzes f\u00fcr die Verteidigung (ggf. auch Ausbreitung) der islamischen Gemeinschaft und ihrer als unantastbar verstandenen Werte wie des Koran und der Ehre ihres Propheten. Pr\u00e4gend f\u00fcr das klassische Dschihad-Konzept war die Vorstellung, dass es ein Haus bzw. Gebiet des Islam (<em>dar al-islam<\/em>) gibt, in dem islamische Werte- und Rechtsvorstellungen dominieren, und ein Haus bzw.&nbsp; Gebiet des Unglaubens (<em>dar al-kufr<\/em>) bzw. des Krieges (<em>dar al-harb<\/em>), in dem noch die Glaubensvorstellungen und Rechtsbestimmungen der \u201eUngl\u00e4ubigen\u201c vorherrschen. Die Erwartung war, dass sich der Islam schrittweise ausdehnen und am Ende die ganze Welt umfassen werde. Im Laufe der Zeit und angesichts in Stocken geratener Expansionen entwickelte man eine dritte Kategorie \u2013 das \u201eHaus des Vertrages\u201c bzw. \u201edes Waffenstillstands\u201c (<em>dar al-&#8218;ahd bzw. al-sulh<\/em>), in dem kein islamischer Friedenszustand, aber auch kein Krieg herrscht, weil Muslime ihren Glauben dort frei leben und verbreiten k\u00f6nnen. Die meisten Gelehrten ordnen westliche Gesellschaften in diese Kategorie ein, bleiben aber h\u00e4ufig ambivalent, wenn es um die nicht n\u00e4her bestimmten Vertragsbedingungen geht \u2013 wann also m\u00f6glicherweise westlichen Regierungen, K\u00fcnstlern, Journalisten etc. aus islamischer Sicht eine Verletzung muslimischer Ehre und muslimischer Rechte und damit ein &nbsp;Bruch des Waffenstillstands vorgeworfen werden k\u00f6nnte.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p> Wenn muslimische Vereinigungen heute gerne den spirituellen Kampf gegen die Triebseele oder die Einfl\u00fcsterungen Satans oder den gesellschaftlichen Einsatz gegen soziale Ungerechtigkeit betonen, ist das als Gegenbewegung zu dschihadistischen Gruppen nat\u00fcrlich zu begr\u00fc\u00dfen, hei\u00dft aber nicht zwingend, dass sie sich damit grunds\u00e4tzlich und langfristig von der k\u00e4mpferischen Dimension distanziert haben. Man unterscheidet im vorherrschenden Diskurs vielmehr zwischen verschiedenen Formen und Stufen des Dschihad, deren Legitimit\u00e4t und Notwendigkeit auch von den jeweiligen regionalen Umst\u00e4nden, vorherrschenden Machtverh\u00e4ltnissen und wahrgenommenen Bedrohungen abh\u00e4ngt. Umso wichtiger ist es auch im Blick auf die Gewalt-Frage und den vom GP mehrfach geforderten gemeinsamen Einsatz f\u00fcr den Frieden (u.a. 43 und 56), Begriffe wie Verteidigung konkret zu definieren und von christlicher Seite deutlich zu machen, dass Gewalt niemals ein Mittel der weltanschaulichen Auseinandersetzung sein kann und Religionskritik, wenn sie in polemischer Weise religi\u00f6se Gef\u00fchle verletzt, selbstverst\u00e4ndlich verbal kritisiert und mit sachlichen Gegenargumenten zur\u00fcckgewiesen werden kann, aber auf keinen Fall als \u201eAngriffsfall\u201c dargestellt werden darf, der Christen oder Muslimen ein Recht auf gewaltsamen \u201eWiderstand\u201c gibt. Wer Letzteres tut, kann sich nicht mehr glaubw\u00fcrdig vom islamistischen Terror distanzieren, sondern bereitet selbst den ideologischen N\u00e4hrboden, auf dem der Terror gedeihen kann \u2013 liefert die Denkmuster, auf die sich andere berufen k\u00f6nnen, die dann zur Tat bzw. zur Waffe greifen.&nbsp;&nbsp;  <\/p>\n\n\n\n<p><strong>These 16: Die Ausf\u00fchrungen zum Verh\u00e4ltnis der Geschlechter sind beschwichtigend und lassen Schl\u00fcsselprobleme des klassischen Schariarechts unerw\u00e4hnt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das GP wendet sich beim Thema Frauenrechte und Geschlechterrollen gegen eine Sicht, nach der eine diskriminierende Geschlechterhierarchie vom Koran festgeschrieben sei. Dabei w\u00fcrden \u201ein unzul\u00e4ssiger Weise die Frage von faktisch vorhandenen kulturellen Praxen, die religi\u00f6s legitimiert werden, mit der Frage nach der religi\u00f6sen Normativit\u00e4t\u201c (32) vermischt.&nbsp; So wichtig der Verweis auf liberalere, historisch-kritische Ans\u00e4tze und ihre koranischen Begr\u00fcndungen ist, so verzerrend wird das Bild, wenn man gleichzeitig die traditionell bis heute vorherrschende Auslegung und die ihnen zugrunde liegenden Koranverse (und \u00dcberlieferungen) ausblendet. W\u00fcrde man sie offen benennen, w\u00fcrde klar, dass in westlichen Augen problematische kulturelle Praxen durchaus von der Mehrheit muslimischer Gelehrter \u00fcber Jahrhunderte mit dem Koran und der vom GP unber\u00fccksichtigt gelassenen Sunna religi\u00f6s normiert worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn tats\u00e4chlich kennt das klassisch-islamische Eherecht keine Gleichberechtigung von Mann und Frau im diesseitigen-gesellschaftlichen Bereich. Man geht von gleicher W\u00fcrde im religi\u00f6sen Sinne, aber von unterschiedlichen Rollen und damit verbundenen Rechten und Pflichten aus. Demnach vertritt der Mann die Familie im \u00f6ffentlichen Raum und ist f\u00fcr den Unterhalt der Familie zust\u00e4ndig. Die Frau schuldet ihm daf\u00fcr Unterordnung und Gehorsam (laut Sure 2,223 auch im sexuellen Bereich). Diskriminierungen betreffen u.a. die (nur dem Mann erlaubte) Vielehe (die entgegen der Darstellung des GP keinesfalls in etlichen, sondern nach meinem Kenntnisstand lediglich in der T\u00fcrkei, Tunesien und den zentralasiatischen Republiken verboten ist), die Wahl des Ehepartners (das GP selbst erw\u00e4hnt, dass Musliminnen keine nichtmuslimischen M\u00e4nner heiraten d\u00fcrfen) das Sorgerecht und die traditionell sehr viel h\u00f6heren H\u00fcrden f\u00fcr die Frau im Falle eines Scheidungsantrags. Vor Gericht entspricht nach klassisch-islamischem Recht die Zeugenaussage eines Mannes der Zeugenaussage zweier Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines der gr\u00f6\u00dften Probleme ist die religi\u00f6s normierte Z\u00fcchtigung der Frau. W\u00e4hrend einige Koranverse wie der im GP ausf\u00fchrlich zitierte Vers in Sure 33,35 die Gleichwertigkeit von Mann und Frau betonen, hei\u00dft es in der vom GP v\u00f6llig ausgeblendeten Sure 3,34, dass die M\u00e4nner eine Stufe \u00fcber den Frauen stehen. Im Falle bef\u00fcrchteter Widerspenstigkeit soll der Mann seine Frau ermahnen, im Ehebett meiden oder (quasi als letzten Ausweg) schlagen. Muslimische Feministen und Apologeten versuchen diese Stelle zu entsch\u00e4rfen, indem sie auf das Vorbild Mohammeds verweisen, der seine Frauen niemals geschlagen haben soll, aber muslimische Gelehrte trauen sich in der Regel angesichts der angenommenen Vollkommenheit des Koran nicht, Z\u00fcchtigung unter allen Umst\u00e4nden als moralisch verwerflich zu betrachten. Folglich mangelt es in den allermeisten islamischen L\u00e4ndern an einem entsprechenden gesetzlichen Verbot. Vor diesem Hintergrund kann auch hier nicht einfach beschwichtigt werden, dass (die vom GP schlicht ausgeblendete) h\u00e4usliche Gewalt lediglich ein Problem der kulturellen Praxis sei, die religi\u00f6s nicht normiert sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist traurig, dass das GP diese Problemfelder nicht klarer benennt, sondern lediglich mit schwammigen Formulierungen Gespr\u00e4chsbedarf andeutet: \u201ewird wohl weiterhin ein Dialog-Thema bleiben\u201c (32). Als Institut f\u00fcr Islamfragen bekommen wir h\u00e4ufiger Anfragen von Eltern, deren T\u00f6chter sich vorschnell und un\u00fcberlegt auf eine bi-religi\u00f6se Ehe eingelassen haben und dann pl\u00f6tzlich \u00fcberrascht sind, wenn der Mann im Laufe der Ehe eine Intensivierung seines muslimischen Glaubens erlebt und traditionell-islamische Erwartungen an seine Frau stellt und auf eine im klassisch-islamischen Recht selbstverst\u00e4ndliche islamische Erziehung der gemeinsamen Kinder besteht. Hier ist die Kirche in der Verantwortung, sachlich und an gebotener Stelle auch kritisch aufzukl\u00e4ren statt zu besch\u00f6nigen und zu beschwichtigen. Im GP kommt sie dieser Aufgabe nicht ausreichend nach, auch wenn sie empfiehlt, die partnerschaftliche Entscheidung \u00fcber die Religionszugeh\u00f6rigkeit der Kinder in den Ehevertrag zu schreiben.&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Wichtige Hintergrundinformationen, die im GP nur unzureichend zur Sprache kommen:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>&#8211; Zu Anspruch und Struktur des Koran:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Muslime verstehen den Koran als das buchst\u00e4blich von Gott in arabischer Sprache durch den Erzengel Gabriel an Mohammed offenbarte Wort. Zugleich betrachtet man den arabischen Koran in seiner behaupteten Unnachahmlichkeit als einziges \u2013 oder zumindest gr\u00f6\u00dftes \u2013 Beglaubigungswunder Mohammeds. Folglich hat bis heute die Rezitation des arabischen Wortlauts in Moscheen und Koranschulen eine weitaus gr\u00f6\u00dfere Bedeutung als die inhaltliche Re\ufb02exion in der eigenen Muttersprache. Aus orthodoxer Sicht kann es und darf es daher auch keine \u00dcbersetzungen des Koran geben \u2013 lediglich Ann\u00e4herungen an seine ungef\u00e4hre Bedeutung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>F\u00fcr den christlichen Leser ist es gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, dass der Koran weder zeitlich noch inhaltlich bzw. thematisch gegliedert ist. Der Koran adaptiert zahlreiche biblische Personen und Begebenheiten, wie etwa Adam, Noah, Abraham, Mose, David und Jesus beziehungsweise die Sch\u00f6pfung, den S\u00fcndenfall und die Sint\ufb02ut. Dies geschieht allerdings in einer islamisierten Form und nicht selten als eine Art Spiegel f\u00fcr Mohammeds eigene Erfahrungen. \u00dcberhaupt ist der Koran ein eher geschichtsloses Werk. Erzv\u00e4ter, K\u00f6nige und Propheten des Alten Testaments werden aus ihrem zeitlichen und \u00f6rtlichen und vor allem aus ihrem heilsgeschichtlichen biblischen Kontext herausgel\u00f6st. Teilweise geraten die Zusammenh\u00e4nge wohl auch deshalb durcheinander, weil Mohammed lediglich m\u00fcndlich und fragmentarisch Kenntnis von der Bibel erhalten und dar\u00fcber hinaus auch Inhalte aus rabbinischer Kommentarliteratur und apokryphen Schriften wie dem Thomas-Evangelium verarbeitet hat. Muslime z\u00e4hlen zwar die Thora, die Psalmen und das Evangelium (injil) zu den B\u00fcchern Allahs und die Christen und Juden zu den Buchbesitzern, gehen aber gleichzeitig mit Blick auf einige (keineswegs eindeutige) sp\u00e4tere Koranverse davon aus, dass die Bibel im Laufe der Zeit verf\u00e4lscht und insbesondere Ank\u00fcndigungen Mohammeds gestrichen worden seien. Fr\u00fchere Aufforderungen des Koran (wie sie das GP erw\u00e4hnt), bei Unklarheiten diejenigen zu fragen, die bereits eine Schrift erhalten haben (Sure 10,94), werden dadurch in den Augen der meisten Ausleger aufgehoben oder zumindest stark relativiert. Trotzdem gilt es zugleich festzuhalten, dass es bis heute auch viele Muslime gibt, die sehr offen und dankbar auf die christliche Weitergabe einer Bibel (oder Bibelteile) oder das Angebot eines gemeinsamen Lesens im Evangelium reagieren. &nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>&#8211; Zum S\u00fcndenverst\u00e4ndnis:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die vom GP erw\u00e4hnte Rechtfertigung des S\u00fcnders aus Gnade\nallein ist enger als vom GP herausgestellt mit der Botschaft vom Kreuz\nverbunden und dem Gedanken des stellvertretenden S\u00fchneopfers Jesu. Allerdings\nsucht man die f\u00fcr das Evangelium und die Christen im Blick auf den Grund ihrer\nHoffnung zentralen Begriffe der \u201eS\u00fchne\u201c und des \u201eOpfers\u201c sowie die in 2Kor 5\nn\u00e4her beschriebene Botschaft der Vers\u00f6hnung im GP vergeblich. Um diese\nverst\u00e4ndlich zu machen, gilt es auch, auf tiefgreifende Unterschiede im\nS\u00fcndenverst\u00e4ndnis hinzuweisen. So frevelt der Mensch im Koran lediglich gegen\nsich selbst (u.a. Sure 7,23), w\u00e4hrend sich die S\u00fcnde in biblischer Perspektive\ngegen Gott selbst richtet. So betet David in seinem bekannten Bu\u00dfpsalm: \u201eGegen dich, gegen dich allein habe ich ges\u00fcndigt und getan,\nwas b\u00f6se ist in deinen Augen\u201c<\/em><strong><em> <\/em><\/strong><em>(Psalm\n51,6a). Der S\u00fcndenfall hat in der Bibel sehr viel dramatischere Konsequenzen.\nDer Mensch gilt seitdem als verloren und muss wiedergefunden, gerettet und\nvers\u00f6hnt werden mit Gott. Auch David und Petrus werden schonungslos mit all\nihren Licht- und Schattenseiten dargestellt. Im christlichen Verst\u00e4ndnis ist\ndas gr\u00f6\u00dfte Problem des Menschen die S\u00fcnde im Singular \u2013 seine grunds\u00e4tzliche\nTrennung von Gott, seine Zielverfehlung, sein Herzenszustand, aus dem alle\nanderen S\u00fcnden (im Plural) folgen. Dagegen liegt die Betonung im Islam st\u00e4rker\nauf den S\u00fcnden (im Plural), kleinen und gr\u00f6\u00dferen Verfehlungen, die der Mensch\naufgrund seiner inneren Schwachheit sowie negativer \u00e4u\u00dferer Einfl\u00fcsse und\nsatanischer Einfl\u00fcsterungen begeht, aber die Allah (nach Ansicht mancher\nAusleger mit Ausnahme besonders schwerer S\u00fcnden) allein aufgrund seiner\nAllmacht vergibt und die der Mensch nach vorherrschender Auslegung\neinschl\u00e4giger Stellen in einem gewissem Ma\u00dfe durch Bu\u00dfe und gute Werke\nausgleichen kann. Als schwaches Gesch\u00f6pf hat der Mensch prim\u00e4r ein Informationsdefizit,\nbedarf der Rechtleitung und Vergebung einzelner S\u00fcnden, aber nicht wie im\nchristlichen Verst\u00e4ndnis einer Erl\u00f6sung im Sinne der Vers\u00f6hnung und der\nWiedergeburt zu einem v\u00f6llig neuen Leben aus Gott.&nbsp; <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Gutachten vom Februar 2019 im Auftrag des Ev. Kirchenbezirks Pforzheim Land) \u201eChristen und Muslime. Gespr\u00e4chspapier zu einer theologischen Wegbestimmung der Evangelischen Landeskirche in Baden\u201c (September 2018\u00b2) >> PDF-Download Vorbemerkungen Als Referent im kirchlichen Bildungsbereich und als Redaktionsleiter der zweisprachigen Zeitschrift \u201eIslam und christlicher Glaube\/Islam and Christianity\u201c habe ich mich in den letzten Jahren intensiv mit<br \/><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/bekenntnis.net\/?p=420\">+ Read More<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13,10,14],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bekenntnis.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/420"}],"collection":[{"href":"https:\/\/bekenntnis.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bekenntnis.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bekenntnis.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bekenntnis.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=420"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/bekenntnis.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/420\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":427,"href":"https:\/\/bekenntnis.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/420\/revisions\/427"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bekenntnis.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bekenntnis.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=420"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bekenntnis.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}