{"id":377,"date":"2018-12-19T19:40:39","date_gmt":"2018-12-19T19:40:39","guid":{"rendered":"http:\/\/bekenntnis.net\/?p=377"},"modified":"2018-12-20T19:12:35","modified_gmt":"2018-12-20T19:12:35","slug":"warum-ich-mich-nicht-ueber-den-jesus-im-koran-freue","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bekenntnis.net\/?p=377","title":{"rendered":"Warum ich mich nicht \u00fcber den Jesus im Koran freue"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/bekenntnis.net\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Warum-ich-mich-nicht-\u00fcber-den-Jesus-im-Koran-freue_.pdf\">>> PDF-Download<\/a><br><\/h5>\n\n\n\n<p>Das Islam-Papier der badischen Kirchenleitung behandelt unter (4) \u201eJesus im Koran\u201c und pr\u00e4zisiert in der \u00dcberschrift: \u201eGottes Barmherzigkeit in Person\u201c. Programmatisch wird dann ausgef\u00fchrt: \u201e Als Christinnen und Christen nehmen wir mit gro\u00dfer Anerkennung die Hochsch\u00e4tzung der Person Jesu im Koran wahr: Jesus gilt als Gesandter Gottes im Auftrag des H\u00f6chsten, begabt mit seinem Geist \u2013 in Person steht er f\u00fcr Gottes Segen und Barmherzigkeit f\u00fcr die Menschen.\u201c Seite 26. \u201eDer christliche Glaube darf und soll die Hochsch\u00e4tzung Jesu im Koran wahrnehmen und dar\u00fcber freudig staunen.\u201c Seite 27.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem widerspreche ich: Nein, ich staune nicht freudig \u00fcber die vermeintliche Hochsch\u00e4tzung der Person Jesu im Koran und nehme sie auch nicht mit gro\u00dfer Anerkennung wahr, sondern ich nehme eine grundlegende und raffinierte Verf\u00e4lschung von Jesus Christus im Koran wahr. In der Tat wird Jesus im Koran gesch\u00e4tzt, doch diese Hochsch\u00e4tzung dient genau der Instrumentalisierung zum Gesandten, ja zum Knecht Allahs, der nun mit voller Wucht gegen die Christen und ihren Glauben an Jesus, den Messias, den Sohn Gottes und an den Dreieinigen Gott in Stellung gebracht wird. Wie grotesk! Jesus ist nach dem Koran ein Diener Allahs und darum ein Prediger des Islams. Er wird so durch den Koran den Christen<br>richtiggehend gestohlen und in einen ganz anderen verwandelt. Jesus Christus als die einzigartige Offenbarung Gottes, des Vaters, wird geistlich amputiert und dann in das koranische Bild eines Propheten hineingepresst, der sich als Diener Allahs bewusst gegen die Christen wendet. Und dar\u00fcber soll ich gem\u00e4\u00df der Empfehlung des oberkirchenr\u00e4tlichen Papiers freudig staunen? Das ist wirklich erstaunlich!<\/p>\n\n\n\n<p>Wie diese koranische Verwandlung von Jesus, dem Sohn Gottes in einen<br>islamischen Propheten in der Praxis der \u201einterreligi\u00f6sen Begegnung\u201c vollzogen wird, macht das Bild aus Jerusalem deutlich. Ich war vor wenigen Wochen in Israel und stie\u00df direkt gegen\u00fcber der Grabeskirche, also dem<br>christlichen Heiligtum in Jerusalem auf dieses Transparent an der Omar-<br>Moschee (benannt nach dem muslimischen Eroberer Jerusalems 637 n. Chr.) und damit auf Jesus im Koran. Gem\u00e4\u00df dem badischen Oberkirchrat und seines Islamverst\u00e4ndnisses h\u00e4tte mich diese Beobachtung in gro\u00dfe Anerkennung und freudiges Erstaunen versetzen sollen.<br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"629\" height=\"687\" src=\"https:\/\/bekenntnis.net\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/grafik-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-379\" srcset=\"https:\/\/bekenntnis.net\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/grafik-1.png 629w, https:\/\/bekenntnis.net\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/grafik-1-275x300.png 275w\" sizes=\"(max-width: 629px) 100vw, 629px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Es tat es aber nicht. Ich war nicht freudig bewegt \u00fcber die koranische Hochsch\u00e4tzung unseres HERRN Jesus Christus, ganz im Gegenteil, ich war entsetzt \u00fcber die Unversch\u00e4mtheit, mit der unter der Fahne des islamischen Glaubensbekenntnisses die Christen hier im Zentrum ihres Glaubens hemmungslos enteignet werden, w\u00e4hrend der Islam ohne wenn und aber sich als die einzig richtige Religion mit der einzig richtigen Wahrheit versteht und darstellt. Und das Ganze geschieht in unmittelbarer Nachbarschaft zur christlichen Grabeskirche. Ist das der islamische \u201eInklusivismus auf Gegenseitigkeit\u201c, \u201edie Weggemeinschaft\u201c, von denen das Islampapier so begeistert spricht? \u201eIn gelingender Weggemeinschaft sind mithin die Wandernden bereit und willens, sich gegenseitig Wahrheit zu g\u00f6nnen, und sind alle Beteiligten wechselseitig Staunende und Lernende \u00fcber die Offenbarungssch\u00e4tze des bzw. der je Anderen.\u201c Seite 13. Es ist sp\u00fcrbar &#8211; das oberkirchenr\u00e4tliche Islampapier ist von einem penetranten Harmoniestreben zwischen Islam und Christentum durchstr\u00f6mt, das st\u00e4ndig die Aura beschw\u00f6rt und verbreitet, der interreligi\u00f6se Dialog mit dem Islam sei f\u00fcr uns Christen ein rein innerfamili\u00e4res Gespr\u00e4ch. Wir seien doch in guter \u201esynodaler Gemeinschaft\u201c miteinander unterwegs, weil wir uns im Grundlegenden und Wesentlichen \u2013 eben in \u201eGott als Allerbarmer\u201c \u2013 ja schon einig seien! Wir m\u00fcssten einfach bei dem wenigen noch Unklaren und Unterschiedlichen wertsch\u00e4tzend und entdeckungsfreudig miteinander umgehen, auf alle exklusiven Wahrheitsanspr\u00fcche verzichten und einfach dem anderen auch Wahrheit zutrauen, dann w\u00fcrde sich alles schon wunderbar finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese innige Sehnsucht nach religi\u00f6ser Harmonie verkl\u00e4rt ungemein die islamische Pr\u00e4senz in unserer Kultur und unterdr\u00fcckt im Gegenzug die kritische oder gar streitbare Auseinandersetzung. Bei so viel Konsens und Freundlichkeit ist es nat\u00fcrlich einfach \u00fcber die guten Seiten des Islams und \u00fcber die gro\u00dfe kulturelle und religi\u00f6se Bereicherung zu sprechen, die in der Begegnung mit ihm zu entdecken sind. Und indem man dies tut, ist man f\u00fcr die guten Dinge in unserer Gesellschaft, f\u00fcr Offenheit, Toleranz und Diversit\u00e4t. Dagegen die negativen Seiten der islamischen Pr\u00e4senz und des politischen Islams zu sehen und sie \u00f6ffentlich und kontrovers auszusprechen, ruft sofort den Vorw\u00fcrf des B\u00f6sen, also des Rassismus und der menschenfeindlichen Instrumentalisierung einer gro\u00dfen Religion des Friedens auf den Plan. Wenn dies landeskirchliche Bekenntnis-Norm wird, und das Islampapier des Oberkirchenrats treibt genau dahin, dann wird jede kritische Sicht des Islams zu einem unmoralischen, ja verwerflichen Akt der Friedensst\u00f6rung und der Spaltung der Gesellschaft, dem innerkirchlich sofort die rote Karte gezeigt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eViel zu entdecken wird es geben f\u00fcr Christen und Muslime unterwegs im Gespr\u00e4ch \u00fcber Jesus und Mohammed, lehrend und wirkend im Namen Gottes des Allerbarmers. Bei aller Unvergleichbarkeit und Asymmetrie dieser beiden im Blick auf die jeweilige Glaubenswelt bei Christen und Muslimen ist doch festzuhalten: Jesus und Mohammed k\u00f6nnen in je eigener Weise als zeichenhafte Vergegenw\u00e4rtigungen der Barmherzigkeit Gottes verstanden werden.\u201c Seite 28<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne Zweifel \u2013 hier pulsiert das ideologische Herz dieses Papiers. Die \u201eBarmherzigkeit Gottes\u201c ist das basale Einheitskonstrukt, das Christentum und Islam integriert und zur famili\u00e4ren Weggemeinschaft werden l\u00e4sst. In dieser Weggemeinschaft (synodaler Gemeinschaft!) sind nun auch Mohammed und Jesus originelle Repr\u00e4sentanten dieser einen Barmherzigkeit Gottes und beide verdeutlichen zugleich je auf ihre Weise die reiche Vielfalt dieser g\u00f6ttlichen Barmherzigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Was hier so scheinbar gewinnend mit der \u201eBarmherzigkeit Gottes\u201c religi\u00f6s geklammert wird, f\u00fchrt im Rahmen der \u201elernenden inklusiven Weggemeinschaft\u201c dazu, sich dem islamischen Gottes- und Offenbarungsverst\u00e4ndnis immer mehr anzun\u00e4hern und den Abstand zu Jesus Christus dem Sohn Gottes, dem Richter und Erl\u00f6ser der Welt, immer mehr zu vergr\u00f6\u00dfern; von einem lebendigen missionarischen Verst\u00e4ndnis des christlichen Glaubens innerhalb des interreligi\u00f6sen Verst\u00e4ndnisses \u2013 trotz gegenteiliger Beteuerungen \u2013 ganz zu schweigen. Das braucht es ja auch nicht in dieser wunderbaren innerfamili\u00e4ren Weggemeinschaft von Christen und Moslems.<\/p>\n\n\n\n<p>Der koranischen Jesus, der einen dienenden Platz unter Mohammeds Autorit\u00e4t, dem Siegel der Propheten, einnimmt, wird zum Inbegriff der Kompatibilit\u00e4t des moslemisch gereinigten Christentums mit dem Islam. So f\u00f6rdert dieses toxische Islampapier mit seiner christologischen Entkernung die Selbstislamisierung des christlichen Glaubens unter der Fahne des \u201eAllerbarmers\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass der landeskirchliche Protestantismus auch wohltuend anders sprechen kann, hat die EKD mit ihrem Islam-Papier aus dem Jahr 2006, also gerade erst vor 12 Jahren gezeigt. Ganz anders als das badische Papier \u00e4u\u00dfert sie sich hier nicht harmonievernebelt und gierend nach islamischer Anerkennung sondern realistisch und im biblischen Sinne klar und wahrhaftig, verbindlich und zugleich konfrontativ sowohl in der theologischen Selbstwahrnehmung als auch im Blick auf den Islam:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo wertvoll die Entdeckung von Gemeinsamkeiten im christlichen und muslimischen Glauben ist, so deutlich werden bei genauerer Betrachtung die Differenzen. Die Feststellung des \u201eGlaubens an den einen Gott\u201c tr\u00e4gt nicht sehr weit. Der Islam geht von einem eigenen Glauben und Gottesbild aus, auch wenn er auf die Bibel und ihre Lehren verweist. Deren Darstellungen ordnet er seiner neuen Lehre unter, die weder die Trinit\u00e4tslehre noch das Christusbekenntnis noch die christliche Heilslehre kennt. Die evangelische Kirche kann sich jedoch bei ihrem Glauben an Gott in Chrisrus nicht nur mit einer ungef\u00e4hren \u00dcbereinstimmung mit anderen Gottesvorstellungen begn\u00fcgen. Glaube ist nach christlichem Verst\u00e4ndnis personales Vertrauen auf den Gott der Wahrheit und Liebe, der uns in Christus begegnet. Am rechten Glauben entscheidet sich nach Martin Luther geradezu, wer f\u00fcr die Menschen \u00fcberhaupt \u201eGott\u201c hei\u00dfen darf. Woran der Mensch sein \u201eHerz h\u00e4ngt\u201c das ist sein Gott (vgl. Luthers Gro\u00dfer Katechismus). Ihr Herz werden Christen jedoch schwerlich an einen Gott h\u00e4ngen k\u00f6nnen, wie ihn der Koran beschreibt und wie ihn die Muslime verehren. Dieses Ergebnis ist zugleich richtungsweisend f\u00fcr die Frage der gemeinsamen Gottesverehrung\u201c. Aus \u201eKlarheit und gute Nachbarschaft, Christen und Muslime in Deutschland\u201c eine Handreichung des Rates der EKD, 2006, EKD Texte 86, Seite 18\/ 19.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein anderes Bild aus Jerusalem ist mir wichtig, weil es uns pr\u00e4zise die notwendige hermeneu-tische Klarheit erschlie\u00dft: Auf halber H\u00f6he des \u00d6lbergs steht die Kirche \u201edominus flevit\u201c. Sie er\u00f6ffnet einen wunderbaren Blick auf Jerusalem und besonders auf den Tempelberg mit dem Felsendom. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" width=\"398\" height=\"303\" src=\"https:\/\/bekenntnis.net\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/grafik-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-380\" srcset=\"https:\/\/bekenntnis.net\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/grafik-2.png 398w, https:\/\/bekenntnis.net\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/grafik-2-300x228.png 300w\" sizes=\"(max-width: 398px) 100vw, 398px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Genau in der Mitte dieser Blickrichtung auf die goldene Kuppel des islamischen Felsendoms steht das Altarkreuz dieser Kirche. Und genau so ist es! Wir Christen schauen auf die (durchaus pr\u00e4chtige und beeindruckende) Realit\u00e4t des Islams, indem wir zuerst auf das Kreuz und damit auf die Wahrheit des gekreuzigten und auferstandenen HERRN Jesus Christus schauen. ER selbst, Sein Weg, Seine Wahrheit und Sein Leben \u2013 und nicht der Jesus im Koran! \u2013 er\u00f6ffnet uns den Verstehensraum, in dem allein ein ehrliches interreligi\u00f6ses Gespr\u00e4ch mit Muslimen und eine aufrichtige und faire Begegnung mit dem Islam geschehen k\u00f6nnen.<br><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>von Burkard Hotz <br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>>> PDF-Download Das Islam-Papier der badischen Kirchenleitung behandelt unter (4) \u201eJesus im Koran\u201c und pr\u00e4zisiert in der \u00dcberschrift: \u201eGottes Barmherzigkeit in Person\u201c. 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