{"id":1246,"date":"2023-03-05T18:53:33","date_gmt":"2023-03-05T18:53:33","guid":{"rendered":"https:\/\/bekenntnis.net\/?p=1246"},"modified":"2023-07-31T07:16:40","modified_gmt":"2023-07-31T07:16:40","slug":"stellungnahme-zum-erprobungsgesetz-kooperationsraeume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bekenntnis.net\/?p=1246","title":{"rendered":"Stellungnahme zum >Erprobungsgesetz Kooperationsr\u00e4ume<:"},"content":{"rendered":"\n<p><a href=\"https:\/\/bekenntnis.net\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Stellungnahme-zum-Erprobungsgesetz-Kooperationsraeume-2.pdf\">&gt;&gt; PDF-Download<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Pfarrer em. Dr. Hans-Gerd Krabbe, Achern, zum Bu\u00df- und Bettag 2022<\/p>\n\n\n\n<p>Miteinander zu kooperieren, wo immer m\u00f6glich, ist stets gut und unbedingt zu begr\u00fc\u00dfen!<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinde Jesu Christi lebt von Seinem Geist des Miteinanders, des F\u00fcreinanders. Wie im paulinischen Bildmotiv von dem einen Leib und den vielen Gliedern (in Rom. 12 und in 1. Kor. 12) angedeutet, wobei Einer allein das Haupt ist: Christus Jesus (vgl. Kol. 1,18) \u2014 so gilt dieses Modell durch die Zeiten hindurch bis heute, von der kleinen Zelle der Gemeinde (gem\u00e4\u00df Mt. 18,20) aus angefangen bis hin zur Institution und Organisation der Kirche im Hier und Jetzt. Bau-HErr der Kirche ist Jesus Christus. Soll(te) dies nicht mehr gelten?<\/p>\n\n\n\n<p>Von unten her, von der Basis der Gemeinden her baut sich Kirche als Organismus auf \u2014 so beschreibt es jedenfalls auch die Grundordnung (\u203aGO\u2039) der Badischen Landeskirche (vgl. \u00a7 5). Nun aber ist seitens der Landeskirche per Landessynodal-Beschluss vom 30. April 2022 mit der Verpflichtung zur Kooperation in verschiedenen Rechtsformen der Prozess von Reduktion und Transformation eingel\u00e4utet, will hei\u00dfen: gravierende Einsparungen von 30 % in allen Bereichen stehen bevor, was Personal (-stellen) und was die Zuweisungsmittel an die Ortsgemeinde \u00fcberhaupt betrifft. Kirchengeb\u00e4ude, Gemeindeh\u00e4user, Pfarrh\u00e4user kommen auf den Pr\u00fcfstand. Das wird erhebliche Konsequenzen ausl\u00f6sen und vielleicht sogar \u203aein mittleres Erdbeben\u2039 innerhalb der gesamten Landeskirche!<\/p>\n\n\n\n<p>Defizite werden beklagt: das Defizit an Mitgliedern und Kirchensteuerzahlern, das Defizit an Glaubenswissen, das Defizit an gesellschaftlicher Anerkennung. Gibt man sich damit zufrieden, sich mit der Organisation des Mangels zu besch\u00e4ftigen? Ja, die Relevanz von Kirche wird kritisch hinterfragt \u2014 nur: Was gegen solche Entwicklungen tun? Wie gebannt darauf starren? Die Einstellung kultivieren (?): \u00bbWir schaffen das\u00ab schon wieder? Wenn <em>wir<\/em> nur die n\u00f6tigen Ressourcen zur Verf\u00fcgung h\u00e4tten? Als sei Kirche: Menschenwerk? <\/p>\n\n\n\n<p>Dagegen gefragt: Braucht es nicht einen grundlegenden Perspektivwechsel, Bu\u00dfe, Umkehr? Zum HErrn der Kirche, der da Christus hei\u00dft? Zum \u203aEckstein\u203a, der den Bau zusammenh\u00e4lt (vgl.&nbsp; Eph. 2,20 \/ Mt. 21,42 nach Ps. 118,22)? Luther textete: \u00bbMit uns\u00b4rer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren. Es streit\u00b4 f\u00fcr uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren\u00ab (EG 362,2): Ja, stimmt dies denn nicht? Wir sind\u2019s doch nicht, die die Kirche bauen und erhalten (k\u00f6nnen) \u2014 ein anderer ist\u2019s! ER muss \u203auns als leeres Gef\u00e4\u00df\u2039 stets von neuem f\u00fcllen! \u00bbIhn, Ihn lass tun und walten!\u00ab (EG 361,8).<\/p>\n\n\n\n<p>Es zeigt die innere Not von Kirchen, wenn \u00f6konomische und organisatorisch-strukturelle Antworten in den Vordergrund geraten und die Oberhand gewinnen. Wenn\u2019s Menschen-werk richten soll.&nbsp; Die Krise der Kirche ist geistlicher Art. Doch was hilft wirklich? Es braucht geistliche Antworten, geistliche Offensiven, geistliche Aufbr\u00fcche, geistliches Wachstum! Geistliche! Nach biblischer Botschaft fragen, ja verlangen die Menschens-kinder doch auch heutzutage, gerade auch in diesen Zeiten voller Konflikte, Krisen, Kriege!<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist doch so: N\u00f6tig, not-wendig ist ein erwartungsvolles Gottvertrauen, eine Inspiration durch den Heiligen Geist, inst\u00e4ndiges Gebet, auf dass GOTT durch den Heiligen Geist wirkt und wirbelt, Seine Gemeinde \u00bbversammelt, sch\u00fctzt und erh\u00e4lt\u00ab (vgl. Heidelberger Katechismus, 54) . Und dass Menschen sich von GOTT in Dienst nehmen lassen: \u203aHier bin ich, sende mich!\u2039 Darum ist zu beten: dass GOTT Menschen in Seinen Weinberg sendet!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kirche Jesu Christi ist doch kein verzichtbares Auslaufmodell, sondern im Gegenteil ein unverzichtbares Zukunftsmodell f\u00fcr Menschen, die mit Frohsinn und Ernst ihren Glauben in der Nachfolge Jesu ausleben und andere dazu einladen und gewinnen. Mission tut not (!)(vgl. GO Art. 2,3). Wo dies geschieht, da wird Gemeinde Christi attraktiv, da fangen andere an zu fragen nach dem Grund der Hoffnung, die in ihnen steckt (vgl. 1. Petr. 3,15). Um die gravierende \u203aReduktion\u2039 wenigstens ansatzweise abzufedern und abzuschw\u00e4chen, wird \u203aTransformation\u2039 bem\u00fcht und damit die Einrichtung von \u00fcberparochialen Kooperationsr\u00e4umen, von Dienstgruppen Hauptamtlicher (\u203aprofessionelle Teams\u2039), von Gemeindeverb\u00e4nden nach erfolgten (Zwangs-) Fusionen, von Verbandspfarreien. Diese Konstellation d\u00fcrfte sich als \u00e4u\u00dferst kollisionstr\u00e4chtig und als konfliktanf\u00e4llig erweisen. Ein detaillierter Dienstplan muss her, der genau festh\u00e4lt und regelt, wer von den Pfarrern, Diakonen, Sekret\u00e4rinnen usf. f\u00fcr welche Aufgaben zust\u00e4ndig und verantwortlich ist. Das erscheint zun\u00e4chst auch gar nicht verkehrt zu sein. Aber \u2014 verwickelt sich Kirche auf diese Weise nicht zunehmend zur Service-Agentur, wenn kirchliche Mitarbeiter gabenorientiert je nach Neigung und Kompetenz eigene Schwerpunkte setzen, etwa in der Seelsorge oder im Konfirmandenunterricht? Wenn sie also im Sinne von Service innerhalb einer Region, gemeint: innerhalb eines Kooperationsraumes jeweils verbindlich festgelegte Dienst-leistungen anbieten (und dazu hinausfahren), die dann per Kirchengemeinderatsbeschluss im Einzelfall abgerufen werden k\u00f6nnen? Zersplittert oder zerfasert die Gemeinde denn nicht auf diese Weise? Wenn feste Bezugspersonen nun durch \u203aein Heer\u2039 von verschie-denen Dienstleistern ersetzt werden sollen (was nun aber keine Abqualifikation der betreffenden Personen bedeuten will)? Wer \u00fcberblickt und durchschaut, wer will solch ein \u203aSystem Kirche\u2039?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache der Kooperation an sich ist ja nicht neu \u2014 neu allerdings ist die Bezeichnung: \u203aKooperationsr\u00e4ume\u2039 und (!): wenn es zu vertraglich verpflichtend-bindenden Verein-barungen kommen muss \/ wenn also von oben herab im Zuge der Hierarchisierung den Gemeinden aufoktroyiert wird, was zu tun und umzusetzen und hinzunehmen ist \u2014 statt vertrauensvoll offen zu halten, was sich an der Basis wie von selbst auftut und entwickelt. Der Landessynodal-Beschluss greift tief in die Gestaltungsfreiheit und in den Verantwortungsbereich der Gemeinden ein und stellt nicht zuletzt auch ihre rechtliche Position infrage als \u203aeigen-st\u00e4ndige K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts\u2039. Liegt in diesem Landessynodal-Beschluss nicht ein weiterer Schritt zur Entm\u00fcndigung der Gemeinden? Was hei\u00dft da noch: \u00bbKirche der Freiheit\u00ab?<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nnen Direktiven im Sinne der \u203aTop-Down-Strategie\u2039 mit dem erfrischenden Wirken des Heiligen Geistes \u203akompatibel\u2039 sein? \u2014 Bestimmend und beherrschend sei die Gebetsbitte: \u203aKomm, Sch\u00f6pfer Geist!\u2039<\/p>\n\n\n\n<p>Es kommt wohl nicht von ungef\u00e4hr, dass sich Gemeinde Jesu Christi hierzulande in der Form der Parochie bew\u00e4hrt hat mit einem Pfarrer als Schl\u00fcsselfigur vor Ort im Pfarrhaus an der Spitze, der im Stil eines Generalisten wirkt und eben nicht im Stil eines reinen Spezialisten, der allein ein oder zwei Spezialgebiete abdeckt und ansonsten anderswo weilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeiten \u00e4ndern sich, Menschen \u00e4ndern sich, Kirche(ngemeinden) ebenso. Bei allem Wandel jedoch bedarf es auch der Konstitutiva, soll nicht alles in Fluss geraten, wegschwimmen und schlussendlich verloren gehen. Zu diesen Konstitutiva geh\u00f6rt wohl auch die Parochie mit ihrem Pfarrer in der Mitte als zentralem Ansprechpartner. Denn wie ein Schiff einen Kapit\u00e4n braucht, ein Orchester einen Dirigenten, so braucht eine Gemeinde ihren Pfarrer, der nun aber nicht pfarrherren-zentriert agiert und selber alle Aufgaben \u00fcbernimmt, sondern zu delegieren wei\u00df und versteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das entschiedene Pl\u00e4doyer geht also dahin, (1) die Parochie zu st\u00e4rken und den \u203aPastor loci\u2039 \u2014 wobei im Sinn eines konstruktiven Miteinanders auch alle M\u00f6glichkeiten der \u00fcbergemeindlichen Kooperation ausgelotet und ausgenutzt werden sollen, die sich bieten. (2) Das Erprobungsgesetz soll(te) seinen Pflichtcharakter zur verordneten Bildung von Kooperationsr\u00e4umen verlieren, stattdessen alle Optionen f\u00fcr Kooperationen auf freiwilliger Basis unterst\u00fctzen und die Selbst\u00e4ndigkeit der Gemeinden f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstver\u00f6ffentlichung: \u203aBadische Pfarrvereinsbl\u00e4tter\u2039, Januar 2023, 34-37<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&gt;&gt; PDF-Download Pfarrer em. Dr. Hans-Gerd Krabbe, Achern, zum Bu\u00df- und Bettag 2022 Miteinander zu kooperieren, wo immer m\u00f6glich, ist stets gut und unbedingt zu begr\u00fc\u00dfen! Gemeinde Jesu Christi lebt von Seinem Geist des Miteinanders, des F\u00fcreinanders. 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